Biographie: Michael Korstick

Eine ungewöhnliche Karriere: Wider Erwarten gewinnt der elfjährige (geb. 1955) Kölner Michael Korstick nach nur zwei Jahren Klavierunterricht den ersten Preis bei "Jugend musiziert". Die Weichen scheinen gestellt. Doch folgt dem nicht etwa eine Wunderkindkarriere, sondern Jahre unermüdlichen Studiums. 1976 geht der junge Pianist in die USA. Schon seine Mitstudenten an der New Yorker Juilliard School nennen ihn "Dr. Beethoven", und längst sind sich auch Kenner der Musikwelt einig: Dieser Künstler zählt zu den bedeutendsten deutschen Pianisten überhaupt.

Als charakteristische Eigenschaft seines Spiels wird von der Kritik immer wieder die erstaunliche Balance zwischen brillanter Virtuosität und musikalischer Verinnerlichung im Spannungsfeld einer sehr ausgeprägten Persönlichkeit und kompromissloser Werktreue hervorgehoben. Höchster Anspruch ist Michael Korsticks Leitmotiv. Das Ergebnis: Erst im Alter von 43 Jahren, nach 20 erfolgreichen Konzert-Spielzeiten, erscheinen seine ersten CDs - und machen prompt Furore. 2004 wird seine bahnbrechende Interpretation von Beethovens "Hammerklaviersonate" op.106 veröffentlicht und rückt den besonnenen Musiker endgültig ins Bewußtsein eines breiten Publikums. Einstimmig wertet die Fachpresse diese Interpretation als Sensation (CD des Monats in Fono Forum, stereoplay und pizzicato). Ein gewaltiges Medienecho ist die Folge (Süddeutsche Zeitung: "Ein Glücksfall", Die Zeit: "grandios ... ein spektakulärer Beethoveninterpret"). Seitdem steht der eher zurückhaltende Michael Korstick im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, insbesondere als "einer der wichtigsten Beethoven-Interpreten unserer Zeit" (Audiophile). Wenig später trifft seine Aufnahme von Schuberts großer B-Dur-Sonate auf ähnliche Zustimmung (Fono Forum: "von bezwingender Kraft", Stereoplay: "setzt neue Maßstäbe ", pizzicato: "ein genialer Pianist") und wird mit dem "ECHO KLASSIK 2005" als solistische Einspielung des Jahres ausgezeichnet.

Korsticks enorm vielfältiges Repertoire umfasst neben 110 Klavierkonzerten eine große Zahl von Solowerken aller Stilepochen, darunter der Zyklus sämtlicher Klaviersonaten von Beethoven. Seinem musikalischen Pioniergeist entsprechend setzt sich Korstick gegen den Mainstream immer wieder für selten gespielte Werke ein, so etwa für das Klavierkonzert von Ferruccio Busoni, das er erstmals 1992 in Nürnberg zur Aufführung bringt, für das Klavierkonzert von Samuel Barber, dessen chilenische Erstaufführung im Sommer desselben Jahres in seinen Händen liegt, wie auch für das neuentdeckte Es-Dur-Konzert op. post. von Franz Liszt, das er für den Bayerischen Rundfunk aufnimmt, sowie für das Konzert von Siegfried Matthus (Erstaufführung in Frankfurt/Oder 1994). Es existieren darüber hinaus zahlreiche weitere Rundfunkproduktionen und Konzertmitschnitte für verschiedene in- und ausländische Rundfunk- und Fernsehanstalten.

Auf seinen zahlreichen weltweiten Konzertreisen absolviert Korstick ein erstaunliches Pensum voller Höhepunkte, ohne je gehetzt zu wirken: Als besonderes Highlight seiner regelmäßigen Tourneen durch Südamerika gilt eine Konzertreihe mit dem Orquesta Sinfónica de Chile, bei der Michael Korstick einen sensationellen Erfolg mit seiner Interpretation beider Klavierkonzerte von Brahms an nur einem Abend feiert. Man bescheinigt dem ehrgeizigen Unterfangen "vollendetes Gelingen". Mit demselben Orchester interpretiert er im Februar 2000 Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert bei den Musikfestwochen in Frutillar/ Chile.

In der Saison 1999/2000 unternimmt Korstick zwei Mexiko-Tourneen mit Klavierabenden im Palacio de Bellas Artes in Mexiko City und ist Gast des Festival Internacional Cervantino. Bei der Saisoneröffnung des mexikanischen Staatsorchesters unter Enrique Bátiz brilliert er als Solist im 1. Klavierkonzert von Brahms. Kurz darauf ist der unermüdliche Pianist mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer in Frankfurts Alter Oper zu hören. Im Frühjahr 2001 debütiert Korstick in Korea als Solist im 1. Klavierkonzert von Brahms mit dem Seoul Philharmonic Orchestra im Sejong Center for the Performing Arts, einem der größten Konzertsäle der Welt. Dem großen Erfolg dieses Konzerts folgt eine weitere Einladung nach Korea im Juni desselben Jahres, diesmal zu einer umjubelten Aufführung des 3. Klavierkonzerts von Prokofieff im Seoul Arts Center. Voller Verve bestreitet er zwischendurch eine Tournee durch die Städte Andalusiens und glänzt bei einem Klavierabend in der traditionsreichen Konzertreihe "Les Soirées de Luxembourg". Unter den Orchesterkonzerten des Jahres 2002 verdient die deutsche Erstaufführung des "Concertino für Klavier und Orchester" von Wladyslaw Szpilman besondere Beachtung, dessen Werke im Zusammenhang mit Roman Polanskis Film "Der Pianist" bekannt geworden sind. Auch bei der Stereo-Ersteinspielung dieses Werks für den Bayerischen Rundfunk mit den Nürnberger Symphonikern übernimmt Korstick den Solopart. Zu den weiteren Aktivitäten des Jahres 2002 gehören eine Konzertreise nach Marokko sowie eine zyklische Aufführung aller 32 Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven. Aus Anlass des 100. Geburtstages von Claudio Arrau gibt Michael Korstick Klavierabende in Arraus chilenischer Geburtsstadt Chillán sowie in Santiago de Chile im Sommer 2003. Es folgt eine Reihe von Auftritten in deutschen Städten gemeinsam mit den Krakauer Philharmonikern, mit denen Korstick sowohl Konzerte von Chopin und Grieg als auch (abermals selben Abend) die beiden Klavierkonzerte von Brahms zur Aufführung bringt. Im Frühjahr 2005 unternimmt Korstick eine weitere Chile-Tournee, auf der er u.a. bei den Musikwochen in Frutillar als Solist im zweiten Klavierkonzert von Brahms sein Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt: "Ein Solist ersten Ranges im Zenit seiner Leistungsfähigkeit"(El Mercurio).

Das Jahr 2005 markiert außerdem den Beginn einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Michael Korstick und seinem neuen Schallplattenlabel OehmsClassics, für das er zunächst einen kompletten Beethoven-Zyklus einspielt. Die erste Veröffentlichung in dieser Reihe, die Diabelli-Variationen des Bonner Meisters, wird von der Fachwelt wiederum als maßstabsetzend begrüßt (CD des Monats in stereoplay, Rondo, pizzicato, Feature in Fono Forum), wird mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet und von Joachim Kaiser in der Süddeutschen Zeitung zur "Entdeckung des Jahres" gekürt. Auch Volume 2 der Gesamteinspielung (Beethovens Sonaten Nr. 1-3) erhält den Preis der deutschen Schallplattenkritik und weitere Auszeichnungen. Inzwischen ist die Reihe der Veröffentlichungen mit überwältigendem Erfolg bis Volume 4 vorangeschritten. Gleichzeitig findet Michael Korsticks unermüdliche Neugier auf das Repertoire abseits der ausgetretenen Pfade Niederschlag in einer Aufnahmereihe beim Südwestrundfunk mit dem Gesamtwerk für Klavier und Orchester von Darius Milhaud, das Ende 2006 auf dem Raritätenlabel cpo veröffentlicht und ebenfalls mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Für dieses Label hat er gemeinsam mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer vor kurzem auch das monumentale Klavierkonzert von Max Reger eingespielt, welches voraussichtlich Ende 2008 erscheint. Die erfolgreiche Präsenz auf dem Schallplattenmarkt hat den Namen Michael Korstick auch im Konzertleben zum Begriff gemacht, wovon 2008 u.a. Auftritte im Münchner Herkulessaal, in der Alten Oper Frankfurt, der Stuttgarter Leiderhalle, der Essener Philharmonie (hier mit einem Zyklus sämtlicher Beethoven-Klavierkonzerte), der Nürnberger Meistersingerhalle und der Kongresshalle Saarbrücken zeugen. Stand: März 2008


Monika Csampai
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