Ernst Kößlinger


"Kösslinger schafft es, im Laufe seines Lebens zwei Berufe, den des Grafikers und des Künstlers, in Einklang zu bringen. Deshalb verbindet sich in seinen Arbeiten auch oft gestalterische Perfektion mit künstlerischer Phantasie." (Süddeutsche Zeitung)

Biografische Daten

1926    am 16. Mai in München-Schwabing geboren

1940 - 1943   Chemigrafenlehre
1944 - 1945   Kriegsdienst und Gefangenschaft
1946 - 1949   Ausbildung als Gebrauchsgrafiker
                  an der "Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker"

ab 1949 Freiberufliche Tätigkeit als Grafikdesigner

1958 - 1971 Dozent für Grafik-Design an der Akademie für das Grafische Gewerbe in München

1972 - 1990  Professor im Fachbereich Gestaltung an der Fachhochschule München

1998 Verleihung des "Bundesverdienstkreuzes am Bande" durch den Bundespräsidenten Dr. Roman Herzog

2006 Medaille "München leuchtet, den Freunden Münchens" 
Prämierung von zahlreichen Plakaten, Prospekten und Briefmarken bei vielen Wettbewerben


 

Ernst Kößlinger

Fotos: Attila Csampai (März 2016)


 

Fotos: Oliver Krato /Medienfabrik Gütersloh


 

Publikationen

Das Werk Ernst Kößlingers von 1945 bis heute umfasst ein ebenso breites wie wertvolles Schaffensspektrum. Neben zahlreichen Zeichnungen, Radierungen, Holz- und Linolschnitten zählen Aquarelle, Lithographien und auch ausgezeichnete Briefmarken und Plakate zu seinen Werken. In drei kunstvoll gestalteten Bildbänden wird ein Querschnitt der künstlerischen Arbeit Kößlingers vorgestellt.

Ernst Kößlinger 1965 - 1980
(Band 1)


Zeichnungen
Radierungen
Holzschnitte
Linolschnitte
Lithographien


Ernst Kößlinger 1981 - 2000
(Band 2)

Zeichnungen
Radierungen
Holzschnitte
Linolschnitte
Aquarelle


Ernst Kößlinger
(Band 3)

1945-1964
Zeichnungen
Radierungen
Holzschnitte
Linolschnitte
Auqarelle
Gouachen

1945-1975
Plakate
Prospekte


Die Bildbände können über QUINTESSENZ (Adresse siehe unten) bestellt werden.

 

Vorwort zu Band 2 von Dr. Andreas Strobl (Staatliche Grafische Sammlung München, Referat Kunst des 20. Jahrhunderts) im Jahr 2006 über Ernst Kösslinger

"Es gibt Dinge, die so sehr zum Bestandteil der Umgebung geworden sind, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, warum sie da sind; man registriert nur mit Beruhigung, dass sie noch da sind. So geht es mir mit einer postkartengroßen Radierung von Ernst Kösslinger, die in den feinen Schwarz-Weiß-Linien dieser Technik die typischen Strukturen der toskanischen Landschaft Bei Chiusi zeigen - Ketten von Ölbäumen, die Lineaturen der Weinberge und von Zypressen umstandenen Bauernhäuser. Sie hängt über meinem Schreibtisch und hin und wieder dringt der Blick in die Tiefe der Landschaft oder streift über graphische Struktur der Zeichnung. Daneben steht ein kleiner Farbholzschnitt mit einer tief verschneiten Winterlandschaft in zarten Violett und Blautönen. Der Schnee verfremdet die Bäume und Hügel, schafft neue Formen. Auf den ersten Blick entstand so ein abstraktes Bild in Blau- und Violettönen. Nur das Gestirn am oberen Bildrand - Sonne oder Mond von Dunst gedämpft - gibt den Hinweis auf das Winterbild.

Im vorliegenden Buch sind nun Arbeiten Ernst Kösslingers aus den letzten zwanzig Jahren versammelt. 1980 hatte er bereits eine erste Bilanz seiner Arbeit gezogen. Für den Gebrauchsgraphiker Kösslinger - ein altertümliches Wort für einen sich immer schneller verändernden Beruf, der sich heute Kommunikationsdesigner nennt - war es immer selbstverständlich auch frei zu arbeiten. Das heißt, ohne Ansprüche eines Auftraggebers und frei von Vorgaben der Herstellungsbedingungen, die ja bis hin zur Farbwahl definiert sein können, ehe der ›Kreative‹ dann eingreifen darf. Am Rande sei doch darauf hingewiesen, dass es auch einmal lohnend wäre, diese ›unfreie‹ Arbeit Ernst Kösslingers gesammelt zu sehen. Auch wenn Werbung wohl grundsätzlich ein kurzlebiges Geschäft ist, ist in seinem Falle zu erleben, dass diese Arbeiten ein Bild ihrer Zeit spiegeln. Es ist also auch ein Rückblick auf vierzig Jahre Werbegeschichte zu entdecken.

In den letzten beiden Jahrzehnten trat an die Stelle dieser Arbeit zunehmend das Engagement für die Gestaltung von Briefmarken. In detailreicher Arbeit entstand eine Vielzahl von Entwürfen zu den ausgelobten Themen, die sich dann im landesweiten Wettbewerb erst gegen die Konkurrenz durchsetzen mußten. Einige Beispiele sind hier abgebildet und man wird wie in einer Zeitreise auf Motive stoßen, an die man sich plötzlich wieder gut erinnern kann, hat man sie doch des öfteren in Händen gehabt - und im Zweifelsfalle abgeleckt und auf Briefe geklebt. Ernst Kösslingers Erfolg in diesem Bereich dokumentiert sich schlicht in der Anzahl der gewonnenen Wettbewerbe und dass eine Marke sogar von einer internationalen Jury zur schönsten europäischen Marke des Jahres gewählt wurde.

Ein Thema, das man schon aus seinem ersten Buch kennen kann, sind die spontan, vor dem oft unwissenden Modell entstandenen Portraitskizzen. Meist hat Ernst Kösslinger die Prominenten bei offiziellen Anlässen beobachtet und in handtellergroßen Skizzen das Charakteristische ihrer Physiognomie umrissen. Es sind kleine, lebendige Dokumente entstanden, die durch die Signatur des Konterfeiten, der wohl nicht wenig über dieses freundliche Attentat gestaunt haben mag, noch einen besonderen Reiz gewinnen.

Wie ein Jäger auf die Pirsch zu gehen oder wie ein Sammler mit offenen Augen durch die Gegend zu streifen, das ist eine künstlerische Haltung, die über Jahrhunderte die europäische Kunst prägte. In Zeiten introvertierter, gegenstandsloser Kunst oder der Beschäftigung mit den bereits vorhandenen Bildern der Warenwelt, mag dies ein altertümliches, eben eine konservatives Verfahren der Bildfindung sein. Aber hat es deswegen seine Berechtigung verloren? Hinausgehen, verreisen, Motive suchen, das alles ist die Vorfreude der Arbeit, die sich mit dieser traditionellen Suche nach Motiven vor Ort verbindet. Es entstanden zahllose Skizzen und Studien, kurze Notizen und durchgearbeitete Zeichnungen, die etwa mit dem Einsatz von Buntstiften schon das Aussehen der späteren Druckgraphik andeuten. Der handwerkliche Aspekt der traditionellen graphischen Techniken ist eine wesentlicher Teil der Arbeit von Ernst Kösslinger. Er beherrscht die Techniken, wie kaum noch einer - Radierung, Lithographie und Holzschnitt, aber auch zum Beispiel ebenso eigentümliche wie reizvolle Techniken wie Linolschnitte mit ›verlorener Platte‹, bei denen die Entstehung der Farbschichten, die Zerstörung der Druckplatte bedeutet. Abgesehen davon, dass diese Beherrschung nicht Selbstzweck ist, sondern es ihm ermöglicht alle Finessen der Technik für seine Bilder zu nutzen, sind die Schritte der Überarbeitung, die mit der Drucktechnik verbunden sind, ein wesentlicher Bestandteil der Bilder, die sich aus den Linien und Farbschichten aufbauen.

Neue Länder konnte der Künstler auf Reisen der letzten beiden Jahrzehnte für sich entdecken, deren Motive der nun vorliegenden Auswahl neue Aspekte hinzufügen. Neben dem Athos, der mit seiner eigenartigen Kombination der Steilküsten, der Klöster und der wild wuchernden Natur spannende Bilder liefert, waren dies die Türkei, Marokko und Bali. Manch kuriose Beobachtung konnte unterwegs gemacht werden, wie etwa das übereinander gestaffelte Leben in einem marokkanischen Dorf, das in der ungewöhnlichen Perspektive noch einen Hauch des orientalischen Geheimnisses enthält, das uns Mitteleuropäer seit langem fasziniert. In den hier abgebildeten Landschaften kann man aber auch die Strukturen wiederentdecken, die Ernst Kösslinger seit jeher beschäftigen. Die Farbkombinationen der Landschaft, die vom Klima und Wechsel der Jahreszeiten geprägt wird, die graphischen Strukturen der Felder und Bäume, der Erde und der Steine. Eine Landschaft aus Bali erinnert mich an die Strukturen der Toskana, die über meinem Schreibtisch hängen. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man die Unterschiede in der Kombination der Farben, die Varianten der Formen, mit denen die tropische Landschaft charakterisiert wird.

Daneben wuchs eine Reihe von Arbeiten zu einer neuen Gruppe phantastischer Bildwelten heran. Wie ein verzaubertes Wesen aus den Märchen wird zum Beispiel eine im Kellerschacht gefangene Kröte portraitiert. Frauenkörper bilden eine Landschaft. Diese Faszination für das Traum- und Märchenhafte - für das Reisen im Kopf sozusagen - zeigt sich auch in einigen Bilderfolgen, die als Buchillustrationen erschienen oder für solche geplant sind. Seit Beginn der Buchkunst in Europa gibt es die Symbiose von Schrift und Bild. In dieser Verbindung von Schrift, Bild und Papier, der ›surrealen‹ Kombination von Real- und Phantasiegestalten entstehen Kunstwerke für Augen und Hände. Neu hinzugekommen sind in den letzten Jahren eine wachsende Reihe von Miniaturen, bei denen aus Fundstücken und Abfällen durch Überarbeitungen - oft nur wenige Eingriffe - Figuren und Landschaften entstehen können.

Der ›bildersammelnde‹ Graphiker hat also auch in den zurückliegenden Jahrzehnten wieder reiche Beute machen können. Von dem Reiz der graphischen Techniken geben die vorliegenden Reproduktionen einen Eindruck. Es sei aber allen, die die Originale nicht kennen, versichert, dass diese erst die hier mit Worten notdürftig umschriebenen subtilen Reize vermitteln können."

                                                               L a u d a t i o

des Bayerischen Staatsministers für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst
                                                       Hans Z e h e t m a i r
anlässlich der Aushändigung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland am 18.06.1998 an
                             Herrn Prof. Ernst Johann K ö s s l i n g e r , Martinsried

Sehr geehrter Herr Professor,

Sie haben sich als Dozent und Hochschullehrer sowie als anerkannter Künstler besondere Verdienste erworben, Zunächst machten Sie eine Lehre als Chemiegraph und studierten an der Akademie für das grafische Gewerbe in München. Im Jahre 1957 kamen Sie als Dozent an diese Akademie und lehrten von 1971 bis 1990 an der Fachhochschule München im Fachbereich Gestaltung. Sie bemühten sich stets, den künstlerischen Möglichkeiten innerhalb der Grafik und besonders der Druckgrafik mehr Raum zu verschaffen, um den Studenten den Weg zur Qualität aufzuzeigen. Ihre erfolgreiche Lehrtätigkeit hat dem Studiengang Kommunikations-Design und damit dem Fachbereich Gestaltung und nicht zuletzt der Fachhochschule München zu hoher Anerkennung verholfen. Des weiteren gestalteten Sie in den 50er und 60er Jahren hochgeschätzte Plakate für das Münchner Oktoberfest und die Auer Dult, für das Münchner Stadtmuseum und die Städtische Galerie sowie für musikalische und sportgeschichtliche Ereignisse. Neben Plakaten, die wiederholt prämiert wurden, entwarfen Sie aber auch Prospekte und Briefmarken. Für die Deutsche Bundespost gestalteten Sie in großer Zahl Brief-Sondermarken und gewannen erst kürzlich den von der Post ausgeschriebenen Wettbewerb für die Europamarke 1997. Während Ihrer Lehrtätigkeit entstanden unzählige Zeichnungen, Radierungen, Holz- und Linolschnitte sowie Lithographien und Skizzen von München und Portraitzeichnungen bedeutender Frauen und Männer des Kulturlebens. Ihr Werk, das in zahlreichen Ausstellungen zu bestaunen war, zeichnet sich durch technische und thematische Vielseitigkeit aus. Sie handhaben das gesamte Spektrum der grafischen Techniken meisterhaft und entwickelten vor allem in der Radierung virtuoses Können. Unter den von Ihnen bevorzugten Sujets fesseln figürliche Kompositionen ebenso wie Porträtzeichnungen oder Stadtansichten. Ihre besondere Neigung gilt der Landschaft, deren jeweiligen Charakter Sie treffend erfassen. Sie haben sich durch Ihr vielfältiges und großartiges Wirken um die Allgemeinheit in herausragender Weise verdient gemacht.

Für Ihre Verdienst hat Ihnen der Herr Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Ich freue mich sehr, Ihnen diese hohe Auszeichnung aushändigen zu dürfen.


München, 18. Juni 1998

QUINTESSENZ
Monika Csampai
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