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  • Reinmar Wagner

Die Basler Musikerin Julia Wacker hat mehr als bloss hübsche Hände

"Die sehr mit der Stadt am Rheinknie verbundene Harfenistin Julia Wacker hat ihre zweite CD veröffentlicht. Mit vielfarbigen Werken von Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Im bürgerlichen 19. Jahrhundert war die Welt noch in Ordnung: «Die Harfe gibt jungen Damen die Möglichkeit, hübsche Hände, wohlgeformte Arme und ordentliche Füsse zu zeigen», sprich: ihre Vorzüge als potenzielle Ehefrauen in bestem Licht erscheinen zu lassen. Was aber auch heute noch gilt: In fast allen Orchestern sitzt eine Frau an der Harfe, an den Musikhochschulen findet man kaum einen Mann als Harfen-Professor, und im Konzert und auf CD sind es selten Männer, welche die klanglichen Möglichkeiten dieses besonderen Instruments vorführen.


An vorderster Front dabei ist Julia Wacker. Sie wuchs in Basel auf, lebt mit Mann und Kind in Basel und Berlin, studierte bei Sarah O’Brien in Basel, sie spielt in der Basel Sinfonietta, hat ein Kammermusik-Trio in der aparten Besetzung Harfe, Flöte und Bratsche, das sie Baseltrio taufte. Sie mag den Zirkus und das Theater und hat in manchen Programmen artistische Elemente integriert und zusammen mit der Schauspielerin Petra Auer das Ensemble Theaterharfe begründet.


Schon mit ihrer ersten CD hat Julia Wacker aufhorchen lassen, als sie nämlich ihrem Engelsinstrument auf den Spuren von Edgar Allan Poe suggestiv das Gruseln beibrachte. Diesmal nun forscht sie nach Harfenklängen, welche die Komponisten des 20. Jahrhunderts ihrem Instrument zu entlocken vermochten. Die zart perlende Klischee-Harfe gibt es hier zwar auch immer noch, besonders schön bei André Caplet. Aber bei Komponisten wie Ernst Krenek, Alfredo Casella und natürlich Benjamin Britten ist klar, dass da auf ganz verschiedene Weise nach erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten für dieses Instrument gesucht wurde.


Hilfe und Inspiration holten sie sich von den jeweils besten Harfenvirtuosen, denen die Werke dann auch gewidmet wurden. Das hat zum CD-Titel «Widmung» geführt. Jean Cras zum Beispiel, Kapitän der französischen Marine und als Komponist Autodidakt, musste von Pierre Jamet erfahren, dass seine Impromptus zu pianistisch entworfen und auf der Harfe gar nicht spielbar seien. Er liess sich zum Glück nicht entmutigen, denn die überarbeiteten Versionen sind zauberhafte Harfenstücke geworden.


Komplett mit allen Klischees räumte Benjamin Britten in seiner 1969 für den engen Freund Osian Ellis komponierten Suite auf: obsessiv dunkle Farben, aufsässige Rhythmen, schlicht gesungene Volksliedmelodien und eine irrwitzig virtuose Fuge. Die Brücke zu ihrer Heimatstadt Basel schlägt Julia Wacker mit einem Harfensolo von Heinz Holliger. Wie fast immer in seinen Werken beschränkt sich Holliger nicht auf die «normalen» Spieltechniken, sondern erforscht, was man mit diesen 47 Saiten und dem dazugehörenden Resonanzkasten sonst noch so anstellen kann." Basler Zeitung




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