• Christian Berzins, Aargauer Zeitung

"Die von Sarnthein verströmte Bratschenpracht ist hinreissend"

"«Nicht ganz allein» titelt Ursula Sarnthein augenzwinkernd und geheimnisvoll ihre Aufnahme mit Musik für Bratsche Solo, für jenes Instrument, mit dem es nur Ausnahmegestalten solistisch auf die Bühne schaffen. Auch Sarnthein spielt für gewöhnlich nicht allein, sondern sitzt seit 1998 im Zürcher Tonhalle-Orchester.


Im Lockdown aber kam sie auf tolle Ideen, nun liegt eine Aufnahme vor, die einen unglaublichen Kreis ausschreitet: eine Reise durch die Jahrhunderte und Länder – keine zufällige. Erst verweilt der Hörer in der Barockwelt von H. I. Biber und J. S. Bach.


Die von Sarnthein verströmte Bratschenpracht ist hinreissend. Dann aber folgt vermeintlich ein Sprung zu moderner dänischer Volksmusik, doch die Klänge fügen sich bestens zum Gehörten. Und wenn Sarnthein zwei Zäuerli (Naturjodel) aus dem Appenzell spielt, wird’s einem sehr warm ums Herz. Mit den zwei Zäuerli schweben wir in einer zeitlosen Welt, in einer Musik, die auf Tradition baut und doch immer wieder erneuert wird.

Nach einer Polka von Noldi Alder und einem Schottisch weiss man alsbald nicht mehr, wo einem die Ohren stehen. Bringt Franz Anton Hoffmeister, ein Mozart-Zeitgenosse, des Rundgangs Erlösung? Mitnichten, diese Reise endet auch mit dem «Kleinen Konzert für Bratsche» des Zürcher Komponisten Armin Schibler (1920–1986) nicht, wird man sie doch, kaum fertig gehört, gleich noch einmal bestreiten wollen."

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