• Verena Düren, Klassik Heute

"Ein gelungenes CD-Debüt"

"Der 200. Geburtstag von Clara Schumann, die ja unter den Komponistinnen wahrscheinlich die Bekannteste ist, war für Schachtschneider schließlich der Anlass, das Programm „Feminae – The Female in Music“ zu entwickeln, das bei Ars Produktion erschienen ist. Die Ideengeberin Clara Schumann darf dabei natürlich nicht fehlen: Mit ihren Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 20 eröffnet die Pianistin die CD und öffnet zusätzlich zur Frauenthematik auch die Tür zur besonderen Dynamik von Künstlerbeziehungen beziehungsweise -Ehen. Clara Schumann schrieb den Variationszyklus 1853 als Geburtstagsgeschenk für ihren Mann und im Angesicht seiner immer schlechter werdenden geistigen Verfassung. Die Traurigkeit und Dramatik Claras wird in ihrer Musik deutlich und von Schachtschneider sensibel umgesetzt. Lediglich die vierte Variation wirkt ein wenig sehr gehämmert. Zu den bekannteren Komponistinnen des 19. Jahrhunderts gehört auch Fanny Hensel, an deren Lebenslauf sehr gut zu sehen ist, wie unterschiedlich Männer und Frauen in der damaligen Zeit in ihrem künstlerischen Bestreben gefördert wurden. Obschon in eine ausgesprochen kunstliebende (und wohlhabende) Familie hineingeboren, wurde ihr Bruder Felix Mendelssohn von klein auf in seiner Liebe und Hingabe zur Musik gefördert – bei der nicht unbedingt weniger begabten Schwester war es jedoch ausdrücklicher Wunsch der Eltern, dass es bei einem Hobby bleiben sollte. Furios setzt Schachtschneider Hensels Introduktion und Capriccio h-Moll um.


Eine interessante Neuentdeckung aus dem 18. Jahrhundert ist die Komponistin Elisabetta de Gamberini (1731-1765), einer englischen Organistin, Cembalistin, Sängerin, Dirigentin und eben auch Komponistin. Von ihr stammt die erste in England publizierte Sammlung von Werken für Tasteninstrumente, aus der Schachtschneider die Sonate C-Dur op. 1, 5 eingespielt hat. Obschon auf einem modernen Flügel gespielt, gelingt es ihr trotzdem, den barocken Duktus umzusetzen. Doch auch die zeitgenössischen Komponistinnen sind auf der CD „Feminae“ vertreten: Tatjana Komarovas Sonata entstand 1990 nach dem Zusammentreffen mit ihrem zukünftigen Ehemann Lars Vogt und für ihn. Als Komponistin, Pädagogin sowie Musikmanagerin gehört Komarova eindeutig zu den erfolgreichen Komponistinnen ihrer Generation. Ebenso wie auch in Palme mit Schnee der in Zürich lebenden Komponistin Margrit Schenker beweist Schachtschneider hier ihr breites musikalisches Repertoire. Beschäftigt man sich mit den Komponistinnen in der Musikgeschichte – noch dazu als Frau – so wird man recht (vor-)schnell im negativen Sinne als Feministin abgestempelt. Um diesem Vorwurf vorzubeugen, lässt Schachtschneider zum Abschluss ihres Debüt-Albums Robert Schumann zu Wort kommen mit seinem Carnaval op. 9. Den Zyklus von 22 kurzen Charakterstücken widmete Schumann seiner damaligen Verlobten Ernestine von Fricken. Schachtschneider gelingt hier eine facettenreiche Umsetzung des abwechslungsreichen Zyklus‘. Ein gelungenes CD-Debüt der jungen Pianistin, das alleine aufgrund seiner Notwendigkeit zum Nachdenken anregt oder – um mit den Worten der Interpretin zu schließen: „Erst wenn es völlig normal ist, dass eine Dirigentin das Pult eines großen Orchesters betritt, die Werke von Frauen gleichberechtigt neben der Musik von Männern im Konzertbetrieb etabliert sind und es kein Aufsehen erregt, wenn die Blechbläser Sektion eines Orchesters zufällig überwiegend aus Frauen besteht, ist eine Gleichberechtigung in der klassischen Musikwelt erreicht.“"

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