• Uwe Krusch, pizzicato

"eine spannende Reise mit den neuen tieferen Höreindrücken"

"Der ist doch verrückt, mag denken, wer liest, dass der deutsch-amerikanische Cellist Timothy Hopkins ikonische Violinwerke auf dem Cello spielt. Und dazu noch solche, die für ihre technisch herausfordernde Kompositionsart gefürchtet sind. Neben dem letzten Caprice von Paganini ist dies Introduction & Rondo capriccioso von Saint-Saëns. Kann das auf dem Cello überhaupt gutgehen? Doch auch die Chaconne von Bach und die Sonate von César Franck gehören zu diesen Juwelen der Violinliteratur, deren Schwierigkeiten gleichzeitig auch noch in der Interpretation zu meistern sind.

Dass die Sonate nun schon wiederholt in einer Cellofassung erklingt, zeigt, dass dieses Werk die Cellisten anregt und gerade auch für dieses Instrument ihren Charme entfalten kann. Der gegenüber der Geige vollere und damit sonorere Klang kommt der Stimmung des Werkes sehr entgegen. Gerade bei diesem Stück mag mancher sich am Celloklang sogar mehr erfreuen als am Original des höheren Streichinstruments. Jedenfalls gelingt es Hopkins, die außerordentlich farbenreiche Harmonik des Werkes nuanciert heraus zu kitzeln.

Hopkins hat für Bach seine Version verwendet, die weitgehend nur nach unten oktaviert am Original bleibt, also mehr eine Umschreibung der Fingersätze als ein Arrangement. Ansonsten hat er andere Bearbeitungen umgesetzt, die er punktuell mit eigenen oder fremden Gedanken wiederum abgewandelt hat.

Obwohl die Stücke des Glanzes des Klangs der hohen Violinsaiten beraubt sind, gewinnen sie beim Cello mit der dunkleren Färbung eine neue Intensität, die ihnen zugutekommt. Zu Anfang scheint man zu hören, dass Hopkins die Stücke langsamer spielt als ein Geiger es tun würde, um so dem größeren und damit mutmaßlich schwerer schnell zu spielenden tieferen Streichinstrument Genüge zu tun. Aber in absoluten Spielzeiten bleibt er im Rahmen des Üblichen. Und das beweist, dass er sein Instrument so elegant und zügig zu spielen versteht, dass auch das Cello behände und leicht jubilieren kann. Die Momente, in denen es doch ein wenig beharrlich klingt, sind rar.

Die in Tomsk geborene Pianistin Vita Kan ist dank ihrer langjährigen Freundschaft mit Hopkins eine gewandte Begleiterin, die einen feinen Dialog mit dem Cellisten führt. So bieten die beiden Musiker eine spannende Reise mit den neuen tieferen Höreindrücken."

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