• Stefan Pillhofer, Orchestergraben

"von der Qualität schlichtweg begeistert, und von der Schönheit der Musik gerührt und bewegt

"Wohl bewusst wählte das Ensemble gleich für das C-Dur Trio von Brahms die Herangehensweise, die vielen eindrücklichen musikalischen Themen gemeinsam, meist durch Violine und Cello, zu präsentieren, gleichzeitig aber die starken musikalischen Persönlichkeiten zu bleiben, die sie nunmal sind. Am leichtesten hat es dabei natürlich Adrian Oetiker am Klavier, da das Instrument ja generell in dieser Besetzung, aber im speziellen auch in Brahms Kompositionen eine besondere Rolle einnimmt. Auch wenn der Komponist sich selten große dramaturgische Auslenkungen zugestand, so spielte er mit der Klavierstimme schon gerne etwas theatralisch, und Oetiker setzt das hier vortrefflich um. Er nimmt sich Raum, auch wenn man das so schnell nicht erwartet, lässt dann aber gleich wieder von Lautstärke ab, wenn die anderen Instrumente dan Platz bieten. So leistet er vielleicht sogar den wichtigsten Beitrag zum melodiösen Ping-Pong Spiel, das Brahms in seinem Trio verfolgt.


Streuli und Riniker spielen das Spiel auf der anderen Seite wunderbar mit, wenn sie zum Beispiel im “Andante con moto” die langen Unisono-Passagen wie ein Körper präsentieren, mit erstaunlich präzise synchronisierten Phrasierungen. Aber auch in weiten Teilen mit unterschiedlicher Stimmführung agieren die beiden eher als Instrumentengruppe, denn als zwei Individuen von dreien. Was sie jedoch nicht daran hindert, ihr solistisches Können in den vielen Einzelmelodien aufblitzen zu lassen, gerade Riniker am Cello erfreut mich mit besonders warmem Ton. Nur am Beginn des dritten Satzes “Scherzo. Presto” wirkt es etwas so, als müssen sich die drei Musiker erst noch finden, was jedoch nach kurzer Zeit erfolgt, und in wunderbarer, fast Wienerisch, elegisch gestalteten Melodien mündet, und vom Ensemble über die Brücke dann auch in langsamen Tanzcharakter geführt wird. Dies passt und leitet perfekt über in den vierten Satz, wo das Feininger Trio sich dann richtiggehend erfreut an klassischer Größe und auch etwas Dramatik. Mit perlenden Läufen schmückt Oetiker aus und geniesst es Gegenpol zu den Streichern zu sein.


Das Klaviertrio in D-Dur von Erich Wolfgang Konrgold hat das Feininger Trio wohl er dem Brahms gegenübergestellt, als parallel zu platzieren. Es gibt doch auch viele Gegensätze zwischen beiden Werken, und die Musiker gestalten Diese schön aus. Konrgolds Trio ist das Werk eines zwölfjährigen Wunderkindes, was schwer im komplex und facettenreich strukturierten Werk auszumachen ist. Es ist wagemutiger als der Brahms, sowohl was die Dramaturgie angeht als auch in Bezug auf die Harmonik. In der Ausführung nähert sich das Feininger Trio mit akzentuierterem Spiel, und etwas erweitertem Dynamikspektrum. Oetiker am Klavier geht dabei mehr Seit an Seit mit Violine und Cello, so greifen die verschiedenen Stimmen etwas deutlicher ineinander, werden stärker verzahnt.


Gerade im zweiten Satz gestaltet das Feininger Trio die auch bei Korngold prominente, Wienerische Atmosphäre schön, und vermengt sie kunstvoll mit den Anteilen modernerer Harmonik. Was ein perfekter Übergang in den dritten, langsamen Satz ist, in dem das nach einiger Zeit leicht steigende Tempo diese herrlich seltsame Stimmung einer gemütlichen, nachmittäglichen Kaffeerunde hervorruft.

Der Abschluss gelingt dann schließlich sehr gefühlvoll und festlich, und macht dieses Album zu einer dieser Kammermusikaufnahmen, von denen zwar im Wochentakt einige erscheinen, nach deren Genuss man aber von der Qualität schlichtweg begeistert, und von der Schönheit der Musik gerührt und bewegt ist."

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