• Edwin Baumgartner, Wiener Zeitung

"welch funkelnde Juwelen sind diese Klavierstücke"

"Mel Bonis (1858-1937) wäre hingegen weiterhin völlig unbekannt, hätte nicht die brillante französische Pianistin Myriam Barbaux-Cohen eine CD mit ihren Klavierwerken herausgebracht.

Der Lebensweg der Mel Bonis hätte den Stoff für einen Roman Emile Zolas hergegeben: Um die Beziehung der jungen Mélanie mit einem Künstler zu hintertreiben, zwingen die Eltern sie in die Ehe mit einem weit älteren Mann. Die Beziehung zerstören sie dennoch nicht, es folgt eine geheime Schwangerschaft, was wiederum das Gewissen der streng katholischen Komponistin belastet. Auf den Tod ihres Mannes reagiert sie mit einer Schaffenspause, erst spät beginnt sie wieder zu komponieren: alles mit wenigen Ausnahmen Klavier-, Orgel- und Kammermusik. Das lässt sich im Konzertbetrieb nur allzu leicht übersehen.

Aber welch funkelnde Juwelen sind diese Klavierstücke: Es ist nicht nur Myriam Barbaux-Cohens differenzierter Anschlag und ihr subtiler Gebrauch des Halbpedals, der diese Werke so frisch erscheinen lässt. Tatsächlich reflektiert diese Musik ihre Zeit: Die Romantik ist gerade noch ein Nachklang, Claude Debussys Impressionismus hinterlässt Spuren, aber da weht auch schon ein Hauch von Groupe des Six durch die späten Stücke, als habe sie Francis Poulenc (oder er ihr) über die Schulter geschaut. Eine wunderbare CD - man sollte sie nicht zuletzt auch kennenlernen wegen dieser fulminanten Pianistin Myriam Barbaux-Cohen."

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