CD-Tipp

"Hier gibt es nicht wie üblich, chronologisch in eine Reihe gebrachtes Repertoire. Stattdessen „vernetzt“ Sheila Arnolds hellsichtig-wandlungsfähiges Spiel die Klangwelten von Claude Debussy, John Cage und Toru Takemitsu miteinander. Das passiert feinfühlig und intelligent genug, um die Affinitäten zwischen dem Franzosen im frühen 20. Jahrhundert, dem amerikanischen Musikrevolutionär und dem minimalistischen Neutöner aus Japan verblüffend zu Tage treten zu lassen.

Blenden wir alle lauten Alltagseinflüsse aus, denn nur so kann Sheila Arnolds flexibler Spielfluss die entsprechenden Tore zum bislang Unbewussten öffnen: Man versenke sich hinein in Debussys Images und später auch in zahlreiche Preludes, lasse sich von duftigen, zarten, manchmal orgiastischen Momenten berühren und wegtragen. Sheila Arnolds Spiel blickt tief genug, dass eben nicht nur Farben leuchten und Tongirlanden funkeln. Unter solchen Oberflächen geht es in viel tiefere, subtilere Dimensionen hinab. Modale Strukturen und Bezüge zum Barock werden offensichtlich und viele unvorhergesehene Akzente und Sforzati stellen jede musikalische Abenteuerlust zufrieden.

In viel zugespitzterer Manier verfolgt der Japaner Toru Takemitsu das Ideal einer unmittelbaren Klangwirkung, wobei hier sogar manchmal die nicht gespielten Töne noch mehr Aussage bekommen. Das schließt aber, vor allem bei Sheila Arnold, einen energetischen Zugriff nicht aus. Also schleudert sie die Sfozarto-Schläge heraus, gibt dissonanten Impulsen maximale Leuchtkraft. Wenn dann wieder Debussy „an der Reihe“ ist, wirkt dies ungleich verspielter, fast improvisiert. Überhaupt weiß Sheila Arnold mit einer äußerst flexiblen Bandbreite den gestalterischen Bogen denkbar weit zu spannen. Das gipfelt nicht selten in orgiastischen Ausbrüchen und elektrisierenden Flächen in Gestalt rasanter Tonrepretionen aufladen.

Wenn der dritte im Bunde, John Cage, ins Spiel kommt, wird alles ganz anders - und damit zugleich die gemeinsame übergreifende Idee um so mehr bestätigt! Cage abstrahiert vom üblichen Klang und verlangt von der Interpretin, die Saiten des Flügels zu einem Perkussionsinstrument umzumodeln. Jeder Ton bekommt seinen eigenen scheppernden Klang. Zu spielen ist einstimmig in pentatonischen Skalen und in ruhelos pochender Widerholung. Vor allem: Mit diesem Programmpunkt schließt sich der Kreis zurück zu den Ursprüngen, welche den „ältesten“ Komponisten dieser Aufnahme zu seinem Tun anregte: Waren es nicht die javanischen Gamelanensembles, die – trotz aller Verfremdung - fast genauso klingen wie die Sonatas and Interludes, welche Cage zwischen 1946 und 1948 komponierte? So geschmeidig ist selten zwischen französischer Sinnlichkeit, japanischer Radikalität und dem - nun ganz und gar nicht beliebigen! - Geräusch-Minimalismus eines John Cage vermittelt worden."

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