"Mit großer Ernsthaftigkeit, stupender Imaginationskraft, flexibler Agogik und plastischer Fülle"

"Für ihre Aufnahmen mit den Klaviersonaten von Domenico Cimarosa und den Nocturnes von John Field wurde sie ebenso gefeiert wie für die Aufnahme aller Mozart-Sonaten.

Dass sie mit Klavierstücken von Anton Rubinstein (1829-1894) beginnt, erstaunt ein wenig, denn er ist eher für seine Salonmusik bekannt als für die Ergründung der russischen Seele, und die hier gewählten Stücke dienen Pianisten eher als gefällige Encores eines Klavierabends. Es sind bisweilen ausufernde und glitzernde Salonpreziosen, vor allem die bekannte Mélodie op. 3 Nr. 1 in F-Dur, deren Emotion Roberte Mamou gefühlsstark-expressiv auskostet, ohne sentimental zu werden. Die übrigen Werke von Rubinstein mit den bezeichnenden Titeln Romance, Preghiera und Barcarolle glänzen voll rauschender Gewichtslosigkeit, zeigen aber auch den kraftvollen, nie zärtelnden und immer vollen, farbenreichen Ton der Pianistin.

Interessanter sind schon die beiden Stücke von Mikhaïl Glinka, der allgemein als „Vater der russischen Musik“ angesehen wird. Sehr sanghaft und großbogig in der Melodik spielt Roberte Mamou die von Mili Alexejewitsch Balakirev arrangierte Lerche.

Ihren interpretatorischen Höhepunkt erreicht die CD mit den Jahreszeiten op. 37a von Pjotr Ilitsch Tschaikowsky. Mit großer Ernsthaftigkeit, stupender Imaginationskraft, flexibler Agogik und plastischer Fülle spielt die Pianistin diese zwölf musikalischen Schilderungen der zwölf Monate. Beredt und bildstark beginnt der Januar: Am Kamin, ausdrucksstark-seelenvoll singt die Lerche ihr Lied im März, zauberhaft ist der Aufwärtsdrang der Schneeglöckchen im April gestaltet, in der am Ende kurz aufschäumenden Barkarole des Juni trifft Roberte Mamou genau die dem russischen Melos eigentümliche Verbindung von Kraft und Weichheit, im Herbstlied des Oktober die schlichte Elegik und leicht schmerzliche Gesanglichkeit, kraftvoll im fast schon orchestralen Duktus des Klaviers rauscht Die Jagd im September vorbei und elegant und verspielt zugleich beendet die Weihnacht im Dezember diesen Jahreszyklus".

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