"Es gibt solche Momente im Berufsleben eines Musikjournalisten: Man schiebt ohne jegliche Erwartungen eine CD in den Player. Hindemith, gut, eigentlich immer gerne, Werke für Violine respektive Viola und Klavier. Die Namen der Interpreten: schon gehört, aber kein nachhaltiges Profil im Hinterkopf: Roman Mints, 1976 geborener russischer Geiger, unter Kremers Fittichen gross geworden, für seine Desyatnikov-Einspielung für den ICMA nominiert.
Alexander Kobrin, Absolvent des Moskauer Konservatoriums, Preisträger des Busoni- und des Chopin-Wettbewerbs. Und dann, nach ein paar Takten, kommt man nicht mehr los vom Spiel dieser beiden Musiker, hört manche Passagen ein zweites und drittes Mal und freut sich über mannigfaltige Details im Hindemith-Spiel dieses Duos. Zum Beispiel über die reiche Klangfarbenpalette der Geige in Opus 11/1, wenn Hindemith fast wie Debussy klingt, oder über das kunstvolle Verdämmern am Ende des zweiten und letzten Satzes, eines «feierlichen Tanzes», und wie noch im Verdämmern ungemein subtil Akzente gesetzt werden. Oder darüber, wie die simplen Einzeltöne nicht einfach Repetitionen sind, sondern in Bezug zueinander gesetzt werden: Hohe Spannung in der totalen Entspannung. Oder wie manche Stellen mit geradezu lakonischer Plakativität in den Raum gepfeffert werden: Da kommt Hindemiths Witz wunderschön durch, ebenso wie in den suggestiv ausgespielten Stilzitaten. Dann wieder überraschen köstlichste Süsse oder schwere innere Glut in den Geigenlinien, gekonnte Rubato-Dramaturgien, Accelerandi wie mit dem Lineal gezeichnet: Eine Explosion an Nuancen auf kleinstem Raum. Dann  stellt sich die Frage: Wie kann dieser Geiger bratschen? Hindemith schrieb die Viola d’amore vor für sein Opus 25/2, und Mints entwickelt darauf nicht nur viel Sinn für die spezifischen Klangfarben dieses barocken Instruments, sondern auch eine stupende Virtuosität. Und die innere und äussere Bewegtheit der «Trauermusik» erhält unter seinen Händen sehr viel sprechende Emotionalität, ohne jemals zu einseitig plakativ zu werden oder zu platt zu klagen. Wer Hindemith bisher nicht mochte, könnte bekehrt werden durch diese CD, wer ihn schon mag, wird ihn noch mehr lieben."

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