Interview mit Jonian Ilias Kadesha und Vashti Hunter

September 1, 2020

„A journey for two“, eine Reise zu zweit heißt die erste Duo-CD des albanisch-griechischen Geigers Jonian Ilas Kadesha und der britischen Cellistin Vashti Hunter. Sie feiern damit die zehn Jahre, die sie sich kennen, mit einander Kammermusik spielen und auch ihre gemeinsame Liebe zu Volksmusikeinflüssen in der Klassik.

Julia Kaiser hat Jonian Ilias Kadesha und Vashti Hunter besucht.

Dhilpli Ziya bedeutet in der griechischen Volksmusik einfach „Eine Gruppe von zwei“. Zwei, die sich ohne Worte verständigen. Das gefiel Vashti Hunter und Jonian Ilias Kadesha.

Vashti Hunter
Im Altgriechischen bedeutet „Ziya“ Gleichgewicht, was in der Kammermusik sehr, sehr wichtig ist. Und nicht nur in der Musik, sondern auch in einer Beziehung. Das ist für uns wichtig, weil wir auch ein Paar sind.

Jonian Ilias Kadesha
Das kann man auch im Mittelteil des Stücks wunderbar hören, dieses Gleichgewicht und diese Balance zwischen zwei völlig verschiedenen Stimmen. Die eine komplementiert die andere, könnte man sagen. Jeder ist so zu sagen für sich, und trotzdem muss man zusammensein und zusammenleben. Ich denke auch immer im Mittelteil, wo es etwas langsamer wird, da schreibt er „rubato“, also dass es sehr frei sein soll – und trotzdem muss es perfekt zueinander passen. Da denke ich immer an die Bach-Inventionen. Das ist wie eine kleine Hommage an Bach, wo zwei Stimmen auseinandergehen und doch die gleichen Ideale haben.


Jonian Ilias Kadesha und Vashti Hunter haben sich vor zehn Jahren an der Hochschule für Musik in Hannover kennengelernt. Hatto Beyerle hat sie zusammengebracht, er ist ehemaliger Bratscher und Gründungsmitglied des Alban-Berg-Quartetts. Hatto Bayerle  führte hatte das richtige Gespür. Schon nach wenigen Sekunden zusammenspielens hätten sie gemerkt, dass ihr Gefühl für Timing und Spontanität genau zusammenpassten, erinnert sich Vashti Hunter.

Vashti Hunter
Spontanität ist für uns beide eine ganz natürliche Sache, wir machen das ohne zu überlegen, aber für mich ist das immer ein besonderes Erlebnis, wenn wir ein Konzert spielen, weil ich nie erwarten kann, was Jonian macht!

Jonian Ilias Kadesha
Ich finde es sehr spannend, dass wir beide sehr offen sind dabei, eine Menge Fragezeichen zuzulassen in der Musik, dass man nicht alles von vornherein fixiert, sondern eine Menge Versionen offen lässt. Dass man natürlich viel probt, koordiniert und über Phrasierungen redet, über den große Bogen des Werkes, verschiedenste Elemente und Harmonien, dass man sauber ist und alles. Aber dass trotz alle dem das nicht das Wichtigste ist.´



Am Tag ihres Kennenlernens 2010 gründeten die beiden das Trio Gaspard – vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Joseph-Joachim-Kammermusikpreis in Weimar oder als Sieger des 5. Joseph-Haydn-Musikwettbewerbs in Wien. Zu verdanken ist dies der Strahlkraft der beiden Streicher. Nach nach dem richtigen Klavierpartner mussten sie lange suchen inzwischen haben sie ihn in Nikolas Rimmer gefunden.

Vashti Hunter und Jonian Ilias Kadesha sind nun praktisch ununterbroichen zusammen: In verschiedenen Konstellation kammermusikalisch, einander in ihren Solokarrieren beratend und inzwischen auch als Verlobte.


Ihre erste Duo-CD zeichnet ihre „Reise zu zweit“ musikalisch nach. Auf Konzertbühnen in ganz Europa, bei Kammermusikfestivals wie zuletzt Lockenhaus, dem Schleswig-Holstein Musikfestival und immer wieder bei ihrem Freund und Mentor Steven Isserlis in Prussia Cove. Ihre energetische Ausstrahlung als Musikerpaar ist atemberaubend, wenn sie zusammenspielen. Dies auf eine CD-Aufnahme zu übertragen bloß eine Frage der inneren Einstellung, findet Kadesha.

Jonian Ilias Kadesha
Ich glaube es ist wichtig, mit welcher Intention man ins Studio kommt, mit welchem Mindset. Wenn man das wirklich wie ein Livekonzert spielt, oder zumindest diese Energie hat während des Spiels, dass man nie aufgibt und sagt: Jetzt muss man mal auf Safe-Modus gehen, sondern dass man immer, immer elektrisiert bleit. Im Endeffekt ist es egal, wo man ist, solange man sich die Illusion schaffen kann, dass da in irgendeiner Art Publikum ist.


Volksmusik liegt den beiden besonders am Herzen. Zoltan Kodaly, der viel ungarische Meldoien in seiner Musik verarbeitet hat. Oder auch der Grieche Iannis Xenakis oder  der Schweizer Arthur Honegger und der Grieche Nikos Skalkottas.

 

Jonian Ilias Kadesha
Einerseits sind das vollkommen unterschiedliche Werke, andererseits merkt man, wenn man wirklich genau hinhört, merkt man, welche Ähnlichkeit diese Volksmelodien und diese Sprache mit einander haben, Ungarn und Griechenland, diese Musik, die oft aus den Bergen kommt.


Für Griechen ist der früh verstorbene Nikos Skalkottas heute ein Nationalkomponist. Jonian Ilias Kadesha pflegt sein Repertoire schon lange. Eine rauschhafte Entdeckung ist sein Duo für Violine und Cello von 1947. Vashti Hunter ist in England aufgewachsen, hat aber als Kind viele Familienurlaube in Griechenland verbracht und kann sich gut einfühlen in Skalkottas Idiom.

Vashti Hunter
Ich finde es sehr düster und pessimistisch, auf der anderen Seite hat es viel Licht und ist oft sehr witzig und charmant. Das Volksmusikelement ist sehr klar, aber er mischt das mit Elementen aus den 30er Jahren. Er hat damals bei Schönberg studiert, und auch bei Curt Weill.

Unstillbar ist die Neugier des Duos Kadesha-Hunter nach neuem Repertoire, dabei schürfen sie tief und öffnen im Konzert ihre Seele. Möge ihre gemeinsame musikalische Reise noch lange weitergehen.  

 



 

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