BIOGRAPHIE

„Was soll da noch kommen?" war in der Presse zu lesen, nachdem Dina Ugorskaja ihre CD mit zwei späten Klaviersonaten von Beethoven („Hammerklaviersonate“ op. 106 und die Sonate op. 111 - erschien bei CAvi-Music) veröffentlicht hatte. „Heiliger Gesang“ titelte Eleonore Büning in der FAZ und fügte hinzu: „…spieltechnisch atemraubend. Und keine Spur von Manierismus oder Willkür... Sie weiß eine erstaunliche Kraft mit zärtlicher Wärme zu vereinen, souverän jedes Detail gestaltend, erzählt sie zugleich immer die ganze Geschichte“. Ihre nächste CD im März 2014 mit weiteren späten Beethoven-Sonaten, erschienen, wurde gleich für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Die weiteren Einspielungen umfassen Werke von Händel bis hin zu Schostakowitsch, darunter auch eine gemeinsame Aufnahme mit Anatol Ugorski mit den Doppelkonzerten von Bach und Mozart.

Die Konzertengagements führten Dina Ugorskaja zu verschiedenen Festivals wie den Schwetzinger Festspielen, den Sommerlichen Tagen Hitzacker, dem Festival de Musique Dijon, der Schubertiade Feldkirch und den Kasseler Musiktagen. Sie konzertierte in Bayreuth, Leipzig (Gewandhaus), Bielefeld (Oetkerhalle), Stuttgart (Liederhalle) und in der Kölner Philharmonie sowie beim Radio France Musique in Paris und Sala Verdi in Mailand. Sie musizierte dabei u.a. mit dem Orchester des Mitteldeutschen Rundfunks, dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim, den Brandenburger Symphonikern und der Nordwestdeutschen Philharmonie, dem Lemberg Philharmonia Orchester (Ukraine), dem St. Petersburg State Symphony Orchestra (Russland) und Dogma Chamber Orchestra unter Dirigenten wie Wladimir Jurowski, Ravil Martynov, Vladislav Czarnecki, Norichika Limori und Peter Gülke. Zu ihren Kammermusikpartnern zählen u.a. das Auryn-Quartett, Hans Dietrich Klaus, Sergio Azzolini und Natalia Prischepenko.

 „Philosophin am Klavier“ wurde Dina Ugorskaja einst genannt. Ihrem Spiel werden tiefe Ernsthaftigkeit, Sensibilität, hohe Anschlagkultur und virtuose Fähigkeiten, die stets im Dienste der Musik stehen, attestiert.

Dina Ugorskaja, 1973 im damaligen Leningrad als Tochter einer Künstlerfamilie jüdischer Herkunft geboren, erfuhr bereits seit frühester Kindheit eine starke musikalische Prägung: Bei ihrem Vater, dem berühmten Pianisten Anatol Ugorski, erhielt sie ihren ersten und entscheidenden Klavierunterricht, die Mutter Maja Elik, war angesehene Musikwissenschaftlerin, Sängerin und Malerin. Mit sieben Jahren trat Dina Ugorskaja erstmals öffentlich auf, mit 14 führte sie mit Orchester das 4. Klavierkonzert von Beethoven auf und mit 15 die 8. Sonate von S. Prokofiev.

Nicht zuletzt ist Dina Ugorskajas Herangehensweise an die Musik von den Erfahrungen ihres früheren Kompositionsstudiums geprägt. Auf der einen Seite die Rezeption des Notentextes, stilistische Kenntnisse, analytisches Durchdringen der Materie, auf der anderen Kreativität und Spontanität – diese Eigenschaften konnten sich durch eigenes Komponieren verstärkt herausbilden. Das mit 15 Jahren komponierte Streichquartett wurde 1989 in der Leningrader Philharmonie uraufgeführt.

1990 flüchtete die in der ehemaligen Sowjetunion antisemitischen Bedrohungen ausgesetzte Familie nach Berlin, wo Dina Ugorskaja, wie später auch in Detmold, im Fach Klavier bei Galina Iwanzowa und Nerine Barrett (einstige Schülerin Rudolf Serkins) studierte. Weitere wichtige Impulse erhielt sie u.a. von Edith Picht-Axenfeld und András Schiff. Nach dem Konzertexamen unterrichtete sie selbst an der Hochschule für Musik Detmold, wo sie 2006 auch das Festival „DSCH_100“ zum 100. Geburtstag von Dmitri Schostakowitsch organisierte, an dem u.a. Natalia Gutmann, Elisso Wirssaladze, Markus Hinterhäuser und das Auryn-Quartett teilnahmen.

Seit 2007 lebte Dina Ugorskaja in München.

2015 spielte Dina Ugorskaja beide Bände des Wohltemperierten Klaviers von J. S. Bach beim Bayerischen Rundfunk ein. Im September 2016 erschien die Koproduktion als CD-Box bei Cavi-Music.

Im Oktober 2016 erhielt Dina Ugorskaja eine Klavierprofessur an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Dina Ugorskaja starb viel zu früh am 17. September 2019 in München. Sie hinterlässt ihren Mann, ihre Tochter, ihren Vater, viele Freunde und unzählige Bewunderer in der ganzen Welt.

Am 11. Oktober 2019 erscheint bei Cavi-Music eine Doppel-CD mit Schubert-Werken: Ihr letztes großes Vermächtnis für uns, die ärmer zurückbleiben. Glücklich sind die, die sie persönlich kennen und lieben lernen durften.

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