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Georg Breinschmid

Komponist / Kontrabassist
Georg Breinschmid

BIOGRAPHIE

Kontrabassist

Georg Breinschmid (*1973) ist ein herausragender Könner auf dem Kontrabass zwischen allen Stühlen und Stilen und einer der überraschendsten zeitgenössischen Komponisten und Texter. Klassisch studiert, mit ersten Stationen u.a. bei den Wiener Philharmonikern, frönt er einem gänzlich unorthodoxen Repertoire, mit dem Grundsockel im Jazz, aber vielen Verzweigungen in andere Welten von Wienerlied bis Klassik, von Dada bis Kabarett. Seine überbordende Kreativität äußert sich in kaleidoskopischen Doppel-CDs und einer Vielzahl von Bühnenprogrammen, die sich von feinster Klassik bis zu absurdem Wortwitz spannen.

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Komponist

Was nicht passt, wird kontrabassend gemacht – Georg Breinschmid entführt mit seinen verschiedenen Kooperationen und Solo-Projekten in die tiefen Klanglandschaften und schafft dabei einen Klang, der von virtuos, über gesellig, bis hin zu absolut Dada reicht. Vereint einzig durch die enorme spielerische Qualität und vor allem: durch die in jeder Sekunde spürbare Freude am Musizieren.

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Was Adorno mit dem Vorwurf „dass einer fidelt soll wichtiger sein, als was er geigt“ dem von ihm geringgeschätzten Typus des Musikanten vorhält, wird von Georg Breinschmid falsifiziert. Denn er ist nicht nur ein nebenbei komponierender Virtuose, sondern gleichfalls ein virtuoser Komponist, dem es gerade durch seine Praxis gelingt, all die dabei gewonnenen Qualitäten in den Schaffensprozess zu übertragen. Da ist jemand, der nicht nur in der Heimat der Musik zu Besuch ist, nein, da ist jemand Staatsbürger… wobei, eigentlich Weltenbürger. Denn so, wie man in die Welt hinausruft, so unterschiedlich klingt es glücklicherweise zurück – und all die verschiedensten Stile, Eindrücke und Ausdrücke weiß er in seinen Kompositionen zu vereinen. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er eben was erzählen und was es dann da zu hören gibt, ist immer ein Erlebnis. Vor allem, wenn der Reisende und vor allem der Berichtende Georg Breinschmid heißt. Da werden all die Urlaubserlebnisse herangezogen, neu zusammengemischt und voilà: Willkommen in Brein’s World!

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Und trotz der Weltenbummelei spielt etwas immer eine besondere Roll: das Wienerische! Auch auf seiner neuen Erscheinung „Classical Brein“. Ganz besonders hervorzuheben sind die darauf enthaltenen 4 Sätze für Streichquartett. Im dritten Satz etwa meint man, dass sich Schubert zwischendrin darauf besinnt: ach, beim Heurigen wär’s doch gerade lustiger – Wienerische Weinseligkeit vereint mit klassischer Tradition: was will man mehr? Wenn wir schon bei diesem Werk sind, für welches der langjährige musikalische Mitstreiter Benjamin Schmid völlig „Feuer und Flamme“ ist, wie er den Salzburger Nachrichten anvertraute, dann schauen wir uns auch kurz die drei anderen Sätze an. Oder hören wir sie uns an – hören und staunen. Die Redewendung „aus dem Vollen schöpfen“ könnte nur für diese Stücke erdacht worden sein.

 

„Classical Brein“ sieht den Begriff der Klassik nicht als Eingrenzung, sondern viel mehr als Ausgangspunkt – und doch profitiert diese wie alle anderen klanglichen Erzeugnisse auch von Breinschmids Zeit bei den Wiener Philharmonikern. Immer wieder gibt es Momente, welche aber auch die Welt der Pop-Musik zelebrieren, dann natürlich, wie könnte es bei Breinschmid anders sein, jede Menge Jazz, ebenso wie Anleihen an die minimal music. Gerade diesbezüglich möchte man auch an eine Komposition für zwei Klaviere von György Ligeti denken. Da ist der Mittelsatz mit der wunderschönen Beschreibung „Selbstportrait mit Reich und Riley (und Chopin ist auch dabei)“ betitelt. Würde man den Werken Georg Breinschmids ebenfalls jeweils eine solche Auflistung beifügen, die Liste aller verarbeiteten Vorbilder würde fast endlos werden und doch hat er seine ganz eigene, starke Stimme.

 

Tja, Musiker, Musikant, Komponist… ja was denn noch alles? Sehr vieles! Denn Georg Breinschmid ist vor allem auch eines: Wortakrobat! Der Vollblutmusiker hat in seinem 4. Finger – oh Pardon, für alle Nicht-Streicher: in seinem kleinen Finger – mehr sprühenden Witz, als so manch anderer Vollzeit-Vertreter der Komikerzunft es sich vielleicht für den ganzen Körper wünschen würde. Der Humor reicht dabei von subtilen Querverweisen, zum Beispiel im „Komischen Wienerlied“, bis hin zu wahren Schenkelklopfern, ebenfalls im „Komischen Wienerlied“ – oder hätten sie nicht gedacht, dass es möglich ist, Anton Weberns Miniaturen pointiert noch mehr zu kürzen?

 

Dieses humoristische Talent ist aber keineswegs auf die Textebene beschränkt – auch rein instrumental weiß der Tausendsassa genau, wie er auf der Klaviatur der gepflegten Unterhaltung zu spielen hat. Denn das ist die große Kunst in der Kunst: bewusst lustig zu sein und nicht ungewollt als Gegenstand der Belustigung herhalten zu müssen. Dazu zählt auch die Art und Weise, wie man diese Ebene mit den anderen in Verbindung setzt. Breinschmid braut mit den diversen Ingredienzien einen Kessel Buntes, in welchem die verschiedenen Ebenen auch mal bis zur unkenntlichen Absurdität miteinander verschmelzen können.

 

Benjamin Schmid verortet etwa die 4 Sätze für Streichquartett dann auch „irgendwo zwischen Josef Hader und Stevie Wonder“. Um beim Wienerischen zu bleiben: was für ein gemischter Satz! Und wenn die Welt untergeht, dann wünscht sich so mancher ohnehin sprichwörtlich in Wien zu sein, da dort alles erst mit Verspätung eintrifft. Aber ein Spaß ist der Untergang in der Donaumetropole allemal, wenn Georg Breinschmid die weite Welt der Musik in seinen Werken vereint. Humor als Mittel gegen die überbordende Ernsthaftigkeit des Lebens? Da sind wir dann schon nah bei Josef Hader. Und die Verbindung zu Stevie Wonder? Tja, da sollte man… ach was, hören Sie einfach selbst, dann merken Sie es schon.

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 Diskographie 

Eine komplette und umfangreiche Diskographie des Komponisten und Kontrabassisten finden Sie hier

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