• Verena Düren, Klassik Heute

"Eine interessante und überaus überzeugende Aufnahme"

"Beethoven und die „Fußnoten in seiner Biographie“ – Reinhard Goebel, der bei der Entstehung der CD des Duos Brüggen-Plank unterstützend zur Seite stand, hat auch das Booklet zu dieser Aufnahme verfasst. Das Duo, bestehend aus Henrike Brüggen (Klavier) und Marie Radauer-Plank (Violine) hat bei seinem Debüt bei Audax Beethovens Violinsonate op. 96 in seinen Kontext gestellt: Als diese am 29. Dezember 1812 bei einem Privatkonzert zur Uraufführung gebracht wurde, saß am Klavier Beethovens zu dieser Zeit nunmehr einziger verbliebener Klavierschüler, der Erzherzog Rudolph von Habsburg. Der Musikwelt ist der Erzherzog heute allerdings eher als einer der wichtigsten Förderer des Komponisten ein Begriff denn als Klavierschüler. Wenig bekannt ist auch die Tatsache, dass der Erzherzog, Bruder des damaligen Kaisers, ein überdurchschnittlicher Pianist war und sich selber auch als Komponist betätigte. Sein Œuvre ist zwar eher überschaubar und vor allem weitestgehend unbekannt, was spätestens ein Grund gewesen sein dürfte, weshalb das Duo Brüggen-Plank auf seine Violinsonate f-Moll aufmerksam wurde. Die beiden Musikerinnen sind bekannt dafür, dass sie sich mit Vorliebe mit unbekannterem Repertoire auseinandersetzen. Wenngleich das Werk des Erzherzogs nicht an die Kompositionen seines Lehrers heranreicht, so ist es eine erfreuliche Entdeckung, die man mit dieser Aufnahme machen kann. Marie Radauer-Plank und Henrike Brüggen erweisen sich auch beim unbekannten Repertoire als souveränes Duo – kein Wunder bei einer fruchtbaren Zusammenarbeit seit inzwischen 13 Jahren. Die gemeinsame Arbeit fängt hierbei nicht etwa beim Musizieren an, sondern bereits bei der intensiven Beschäftigung mit dem Notentext und seiner Kontextualisierung vorab. Beide Musikerinnen arbeiten eng mit Reinhard Goebel zusammen – das Interesse an einer historisch informierten Interpretation tut auch dieser Aufnahme sehr gut.


Um eine weitere Rarität handelt es sich bei der Violinsonate op. 5 von Jan Hugo Voříšek, der heute eher über seine Lehrwerke bei Geigenschülern bekannt und im Zweifel gefürchtet ist. Im Wien der 1820er Jahre war er allerdings sehr gefragt und ein ernstzunehmender Kandidat für die Beethoven-Nachfolge. Er hielt sich im Dunstkreis der „Gesellschaft der Musikfreunde“ auf, eines – wenn man so will – adeligen Fördervereins. Zunächst war der studierte Jurist Voříšek bei den Abendveranstaltungen der „Musikfreunde“ als unbezahlter Korrepetitor zu erleben. Doch seinen Posten im kaiserlichen Hofkriegsrat gab er 1821 auf, um sich ganz auf die Musik konzentrieren zu können. Als künstlerischer Leiter der „Musikfreunde“ wurde er zum Nachfolger Beethovens aufgebaut – oder zumindest der Versuch wurde unternommen. Seine Violinsonate op. 5 widmete er dem Erzherzog Rudolph – sie war das einzige Werk, das er einem Mitglied des Adels widmete. Das viersätzige Werk ist an älteren Vorbildern orientiert – man hört eher den Einfluß Mozarts denn den eines Beethovens. Marie Radauer-Plank und Henrike Brüggen machen auch dieses Werk zu einer interessanten Neuentdeckung. Wenn sich schon alles um Beethoven und seine Violinsonate op. 96 dreht, so darf diese natürlich auch nicht fehlen. Das Duo hat das Werk passenderweise in die Mitte seiner Aufnahme gestellt. Und auch hier erweisen sich die beiden Musikerinnen als hervorragendes Duo, wobei sie auch mit der – ganz im historischen Sinne – eher entschlackten Interpretation überzeugen. Eine interessante und überaus überzeugende Aufnahme, die den Hörer in das Umfeld Beethovens entführt."

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