"Eine musikalische Reise, die den Hörer zum Treiben, Tauchen und Träumen einlädt."
- Klassik Heute
- vor 5 Tagen
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„Shapes of Water“ ist eine faszinierende Reise durch die vielen Stimmungen und Erscheinungsformen des Wassers – von ganz unterschiedlichen Komponisten in Klang gefasst. Die rumänische, in Köln lebende Pianistin Carmen Stefanescu schlägt mit ihrem Album einen Bogen vom französischen Impressionismus bis zum Computerspiel-Soundtrack von Nobuo Uematsu. Erwähnenswert ist die wenig geradlinige Biografie der Pianistin, deren Mutter als Tontechnikerin beim Rundfunk in Bukarest tätig war. Als Siebenjährige floh die Familie vor dem Ceausescu-Regime. Carmen Stefanescu wurde als Jungstudentin an der Musikhochschule Aachen aufgenommen, ließ jedoch mit 18 die Klassik links liegen, um Keyboard in verschiedenen Rock-Bands zu spielen. Erst mit Ende 20 nahm sie ihr Klavierstudium in Aachen wieder auf.
Vor allem widmet sie sich ihrem Lieblingskomponisten Claude Debussy, dessen schwebende, unwirkliche, zart andeutende Musik par excellence mit dem Element Wasser verbunden ist. In Gärten im Regen aus Debussys Estampes bringt die Pianistin die tropfende Tonmalerei effektvoll zur Geltung. Glasklar spielt sie in Reflets dans l’eau die wellenartigen Läufe. Wie wattige Schneeflocken schweben monotone Ostinati im Prélude Des pas sur la neige; in En Bateau aus der Petite Suite schaukelt ein Boot im Sechsachteltakt. Unverzichtbar beim Wasser-Thema ist natürlich Debussys atemberaubend schwieriges Stück L'isle joyeuse, dessen fingerbrecherische Herausforderungen Carmen Stefanescu mit Leichtigkeit und Eleganz meistert.
Klar, durchsichtig, mit Gespür für atmosphärische Klangschichtungen interpretiert sie auch das rauschende, hochvirtuose Charakterstück Il pleut aus der Feder der hochbegabten Mel Bonis, die mit Debussy in derselben Kompositionsklasse studierte.
Die vielseitige Musikerin überzeugt auf vorliegendem Album in jedem Stil. Beseelt interpretiert sie die musikalische Seenlandschaft El Lago des katalanischen Spät-Impressionisten Frederic Mompou. Alexander von Zemlinskys dämonisch glitzernde Wassermann-Ballade spitzt sie geradezu opernhaft dramatisch zu. Aufgewühlt und unergründlich geht es auch in Ernest Blochs At Sea zu. Agogisch feinsinnig gestaltet Carmen Stefanescu das melancholisch zwischen Impressionismus und Minimalismus schillernde By the Still Waters der Amerikanerin Amy Beach.
Einen Hang ins Pathetische offenbart hingegen der Computerspiele-Komponiste Nobuo Uematsu: In The Boundless Ocean entfaltet sich eine einfältig-schlichte Melodie über vorhersehbaren harmonischen Wellen. Raffinierter wirken die drei frisch komponierten Regenpreludes von Andreas Winkler.
Der Reigen von klug und liebevoll zusammengestellten Wasser-Stücken bildet eine fließende, atmosphärische Klanglandschaft, die Regen, Flüsse, Seen und Meere, Eis und Nebel erkundet. Eine musikalische Reise, die den Hörer zum Treiben, Tauchen und Träumen einlädt.
Antje Rößler













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