• Tabea Eppelein

Fragen an Ursula Sarnthein

Die neue CD ist ein reines Solo-Album. Haben Sie sich dabei noch einmal ganz neu mit sich und Ihrem Instrument auseinandergesetzt?

Ich würde eher sagen, ich konnte so tief "graben" wie schon lange nicht mehr. Ich habe mich für jedes Stück auf die Suche nach der für mich authentischsten Interpretation gemacht, und dafür hatte ich sehr viel "geschenkte Zeit". Dabei habe ich technisch und musikalisch viel Neues entdeckt.


Sie haben ganz unterschiedliche Stücke ausgewählt. Inwiefern gibt es trotzdem einen roten Faden auf dem Album?

Ich habe Stücke ausgewählt, die mich besonders fasziniert und berührt haben - und sie kommen aus ganz verschiedenen Stilen und Epochen. Das ist mal ein persönlicher roter Faden. Einige Stücke der CD sind mit Musikern verknüpft, die meinen Weg gekreuzt haben; daher rührt auch die zufällig wirkende Zusammenstellung von Volksmusik aus Rumänien, Dänemark und der Schweiz. Entstanden ist ein weit gespannter Bogen. Die Stücke scheinen auf den ersten Blick im klassischen Sinn nicht zusammenzupassen – tatsächlich gibt es neben den offensichtlichen Gegensätzen starke Verbindungen zu entdecken. Spannend finde ich besonders, nach der Chaconne die dänische Volksmusik zu hören, die zum Teil aus der gleichen Epoche stammt und ganz anders wirkt. Oder auch, wie die Caprice von Hoffmeister aus der Wiener Klassik nach dem "Schottisch" wirkt, der wie viele Schweizer Volkstänze der Wiener Klassik nahesteht.


Gibt es Stücke, bei denen Sie besonders stolz sind, dass sie es auf das Album geschafft haben?

Sicher die Chaconne - mit der das ganze Projekt begann. Das war ein musikalischer Gipfel, den ich erklimmen wollte - und es ist mir gelungen.


Dann das Stück Cantec de Dor von meinem Freund Marius Ungureanu mit seiner unglaublichen emotionalen Kraft.

Das letzte Stück von Armin Schibler ist eher unbekannt. Warum ist es das Stück wert, ins Bratschen-Repertoire aufgenommen zu werden? Schibler schrieb es zwischen 1947 und 1950 in der ihm eigenen, der Tonalität nahen, hoch- emotionalen Tonsprache, die aber in Komponistenkreis nicht "en vogue" war. Armin Schibler wollte mit seiner Musik „unter die Haut zielen“, und ich finde, er hat getroffen. Die Musik lebt, spricht und berührt, und es würde mich freuen, wenn noch andere Bratschist*innen entdecken würden, dass hier ein Stück ist, dass unser eher schmales Repertoire würdig erweitert.



Das Programm können Sie jederzeit spielen, wenn Sie nur Ihre Bratsche dabeihaben. Haben Sie sich bereits zu einem Spontankonzert hinreißen lassen?

Ja neulich, bei einem gemütlichen Zusammensein nach einem ganz anderen Konzert - da habe ich die Bratsche noch mal ausgepackt und losgespielt.


Auf den Aufnahmen ist die „Gibson“ von Stradivari zu hören. Sind Sie traurig, dass Sie das Instrument im Juli 2021 als Leihgabe wieder abgeben mussten?

Ja, denn es war eine enorm große Ehre, und ich habe es sehr genossen, dass ich dieses berühmte Instrument 4 Jahre lang spielen durfte - und ich finde wir haben uns gut verstanden :-)

Nein, denn ich mag aber den Klang meines eigenen Instruments auch sehr, und bin auch glücklich damit.


Die Viola ist ein Instrument, das gerne belächelt wird. Können Sie über Bratschenwitze noch lachen? Was entgegnen Sie Menschen, die Ihnen einen solchen Witz erzählen?

Ich lache mit und erzähle selber auch einen.