Schöner geht’s nicht
- quintessenz

- 6. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 11 Stunden
10-10-10 Klassik Heute Empfehlung
"Seine beiden Klarinettensonaten, diese Früchte einer späten Liebe für ein Instrument, hat Johannes Brahms immer schon auch für Viola als geeignet angesehen. Der österreichische Geiger Thomas Albertus Irnberger, der exklusiv für das Label Gramola schon über 30 CDs aufgenommen hat, betätigt sich hier als Bratschist, zusammen mit dem Pianisten Michael Korstick, der mit der Gesamtaufnahme aller Beethoven-Sonaten berühmt geworden ist, aber immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten ist. Mit ihm hat Irnberger schon viele Projekte verwirklicht – was man auch auf dieser Aufnahme hört: Es ist ein fast symbiotisches Zusammenspiel beider, ein gegenseitiges schnelles Reagieren, Reizen, Anfeuern und wohliges Singen. Kontrastiert bzw. ergänzt werden die Brahms’schen Klarinettensonaten mit den Märchenbildern op. 113 von Robert Schumann – eine stimmige Ergänzung, da ja beide Komponisten sich gegenseitig stimuliert haben.
Die Viola „erzählt“
Irnberger „erzählt“ mit seiner Viola, singt, flüstert, haucht und streicht auch mal erdig-kräftig und scheint manchmal sogar den Ansatz einer Klarinette zu imitieren. Sein Ton ist voller Süße, Farbigkeit, aber auch mal voll uriger Kraft. Michael Korstick antwortet mit feuriger Verve und Emphase, kraftvollen Basstönen, vorantreibendem Drängen, dann aber auch dienlicher Zurückhaltung: Er ist sowohl „Begleiter“ als auch gleichwertiger Partner – was durch die hervorragende Aufnahmetechnik unterstützt wird, die beide Instrumente akustisch auf „Ohrenhöhe“ rückt. Beispielhaft ist etwa das gemeinsame Verdämmern im Kopfsatz der f-Moll-Sonate op. 120, aber auch die graziös-schwärmerische Eleganz des „Landlers“ im 3. Satz, die im Trio abgelöst wird von robust-rustikaler Tanzlust: Beide Solisten scheuen keine extremen Kontraste.
Seelisch zitternde Ausdrucksmelancholie
Noch „erzählender“ wird die Viola in Schumanns Märchenbildern, die vielleicht inspiriert sind von den Versen von Louis du Rieux, die auch im kundigen Booklet abgedruckt sind, die Schumann aber wohl kaum gebraucht hat, um Märchenbilder entstehen zu lassen. Ob reiner Gesang, energischer Marsch oder geradezu seelisch zitternde Ausdrucksmelancholie, die traumhaft verdämmert: Alles steht den Beiden zu Gebote. Schöner geht’s nicht."
Klassik Heute, 06.06.2026, Rainer W. Janka



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