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  • Rainer W. Janka, Klassik Heute

"Tropeas Spiel ist eine Mischung aus jugendlicher Frische und weiser Wissenschaftlichkeit: dynamisch und agogisch sehr bewegt ..."

Kassik Heute Empfehlung 10 -10 - 10

"Acht" Mal schaut einen der junge Pianist Francesco Tropea aus dem mit einem Interview sehr persönlich gehaltenen zweisprachigen Booklet heraus an. Er wurde 1994 in Cosenza geboren, hat am dortigen Musikkonservatorium und an der Musikschule in Fiesole gelernt und dann sein Studium am Mozarteum Salzburg vervollständigt. Zurzeit arbeitet er dort an einer musikwissenschaftlichen Dissertation.


In der vorliegenden Aufnahme nimmt er sich Bachs Klavier-Werke BWV 963-970 vor – das sind Bearbeitungen, etwa von Sonaten von Johann Adam Reincken, oder zweifelhafte Zuschreibungen, auf jeden Fall aber ist es zauberhafte und seltener gespielte Bach-Musik. Tropea benutzt dafür einen Steinway B von 1975, der – wie er im Booklet schreibt, „sich durch einen ‚Vintage‘-Klang mit fortepianistischen Tendenzen auszeichnet“. Das Verbum „benutzt“ besagt hier wenig, er spielt dieses Instrument und mit ihm, verwendet es mal wie ein Cembalo, mal wie ein Fortepiano mit ausgezeichnetem Gebrauch beider Pedale, und auch mal phrasierend wie eine Orgel, dies vor allem in dem G-Dur-Adagio BWV 968 nach der Violinsonate BWV 1005 (Track 18), das zweifelhaft in seiner Zuschreibung an Bach ist. Die unruhig-erregte und dann wieder träumerische Stimmung nimmt Tropea auf, verstärkt sie, indem er Akkorde und einzelne Zieltöne bewusst wie auf einer Orgel setzt.


Die Booklet-Lyrik stimmt hier einmal: „Eine Musik von kraftvollem, agilem, lebendigem und instinktivem Charakter“ benennt Tropea Bachs Musik. Und so spielt deer Pianist auch: drahtig-elastisch, lebendig-forsch, zwischendurch heiter verspielt, insgesamt optimistisch-freudig und sogar vergnügt über die Fantasiefreudigkeit Bachs, alles mit vielen ausgefuchsten Farbwechseln, so dass der Steinway statt fortepianistisch plötzlich samtig-sonor klingt. Tropeas Spiel ist eine Mischung aus jugendlicher Frische und weiser Wissenschaftlichkeit: dynamisch und agogisch sehr bewegt und beschwingt mit dramatischen Zuspitzungen, dann wieder lyrisch singend und so ein Duett gestaltend zwischen Diskant und Bass im Adagio der a-Moll-Sonate BWV 965 (Track2). Er singt auf dem Flügel in der Sarabande dieser Sonate BWV 965 sogar trotz polyphoner Verzweigung in großer bedachtsamer Ruhe, den harmonischen Fortgang präsentierend und diesem gleichzeitig nachlauschend. In geheimnisvolles Licht taucht er Bachs Adagio aus der d-Moll-Sonate BWV 964, das eine Bearbeitung seiner Violin-Sonate BWV 1003 ist.

Die Tonregie fängt den Raumklang der Villa Il Cicaleto in Arezzo gut ein, das Mikrofon ist nah am Klavier postiert, so dass man manchmal die Klavierhämmer hämmern hört, aber insgesamt ist es ein sehr angenehmes Klangerlebnis."



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