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  • Guido Krawinkel, Klassik heute

"Votum für das Streichtrio"

"Mit einem fulminanten Start eröffnen die drei Herren des Leipziger Streichtrios ihre erste Einspielung. Die Serenade op. 10 von Ernst von Dohnány fängt mit einem schwungvollen Marsch an, den sie flott und mit Temperament nehmen. Auch der Rest der Serenade überzeugt, Auftakt geglückt! Dohnánys fünfteiliges Werk markiert einen guter Start, denn die Facetten der zwischen Spätromantik und beginnender Moderne angesiedelten Serenade werden vom Leipziger Streichtrio gewissenhaft ausgelotet. Auch das übrige Repertoire dieser CD ist ausgesprochen interessant. Mit einem Streichtrio von Jean Françaix, Werken von Jean Sibelius, George Enescu und der für Streichtrio bearbeiteten Chaconne für Violine solo von Johann Sebastian Bach hält man ein gewichtiges Plädoyer für eine zu Unrecht im Schatten des Streichquartetts stehende Gattung. Denn das Streichtrio wurde nach dem Siegeszug des Streichquartetts immer eher stiefmütterlicher behandelt.


Galt das Streichquartett als Krönung der Kammermusik, schien das Streichtrio im Laufe des 19. Jahrhunderts weniger interessant geworden zu sein, warum auch immer. Diese Einspielung könnte Kammermusikfreunde eines Besseren belehren, Françaix‘ charmantes Trio etwa oder Sibelius‘ leider unvollendet gebliebenes Opus zeigen mehr als deutlich, dass diese Gattung eben kein Streichquartett mit fehlender zweiter Violine ist, sondern eine höchst eigenständige Form der Kammermusik. Die drei Herren des Leipziger Streichtrios, die allesamt Mitglieder führender deutscher Sinfonieorchester sind, stellen deren Vorzüge mustergültig vor. Nur Gelegentlich legen sie dann doch ein Quäntchen zuviel Hochdruck an den Tag, ein Hauch Emphase weniger hier und da hätte durchaus zur strukturellen Klarheit ihres Ensembleklangs beigetragen. Der ist ansonsten aber ausgezeichnet."



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