CD-Empfehlung

"Vom ersten Ton an ist eine große Übereinstimmung zwischen den beiden Musikern zu hören. Der 1985 geborene Nicolai Pfeffer, zu dessen Lehrern Edward Bruce, Sharon Kam und Ralph Manno zählen, bläst mit einem geschmeidigen, runden und warmen Ton, dessen Ausgeglichenheit dem weit geschwungenen ersten Thema der Sonate f-Moll op. 120 Nr. 1 sehr entgegenkommt. Mit Felix Wahl, Jahrgang 1986, der in Köln bei Pavel Gililov studierte, entsteht ein fein aufeinander abgestimmtes Musizieren mit Sinn für die musikalischen Formverläufe, das von einem großen Ausdrucksvermögen getragen wird. Der Klavierpart bleibt bei aller kompositorischen Dichte sehr transparent, ohne auf kraftvolles und wohlklingendes Akkordspiel zu verzichten. Nachdenklich erklingt der zweite Satz, auf den das sehr elegant gespielte Allegro grazioso folgt, zu dem dann der fanfarenartige Beginn des letzten Satzes im Kontrast steht, in dem durch den starken Ausdruckswillen der eine oder andere Klavierakkord dann doch etwas an klanglicher Schärfe zulegt. Die Sonate in Es-Dur op. 120, 2 zeigt die gleichen Qualitäten des perfekt aufeinander eingestellten und technisch souveränen Duos, das sich auch hier sehr sparsam und unaufdringlich der Agogik bedient. Die Tempi sind sehr angemessen und geben allen motivischen Details der Komposition Raum. Der große Spannungsbogen verliert dabei im Kopfsatz allerdings ein wenig an Intensität. An anderer Stelle könnten die dynamischen Unterschiede etwas genauer realisiert werden. So verzeichnet Brahms nur an ganz wenigen Stellen – ausschließlich im zweiten Satz – ein ausdrucksstarkes Fortissimo. Die dynamische Zurückhaltung verweist auf die Verinnerlichung seiner Musik in seinem Spätwerk. Diese hörbar werden zu lassen, stellt die eigentliche Herausforderung der Interpretation der Sonaten dar. Programmatisch überzeugend ist die Ergänzung der Einspielung der Klarinettensonaten durch die letzten vier Klavierstücke op. 119 von Johannes Brahms, die in der Interpretation durch Felix Wahl die harmonische Raffinesse – vor allem im ersten Intermezzo – und die rhythmische Variabilität der Kompositionen aufzeigt, die der Pianist quasi durch das Buchstabieren des Notentextes und sein transparentes Spiel verdeutlicht. Die melodische Linie und die Poetik der Stücke werden dabei in den Hintergrund gerückt. Das Charity-Projekt hat wegen des hohen künstlerischen Niveaus jede Unterstützung verdient und man darf auf die weitere Zusammenarbeit der Interpreten gespannt sein!"

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