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5 Fragen – 5 Antworten: Thomas Albertus Irnberger

Der Geiger Thomas Albertus Irnberger hat bereits zahlreiche Aufnahmen gemacht, etwa mit Paul Badura-Skoda, Jörg Demus und Michael Korstick.

1. Ein Stück, das Ihnen viel bedeutet, das aber viel zu wenig bekannt ist: Das Violinkonzert von Carl Goldmark. 1877 komponiert, erlebte es bis 1933 einen wahren Siegeszug. Aufgrund der jüdischen Abstammung Goldmarks wurde es dann verboten. Im Gegensatz zum Mendelssohn-Violinkonzert (e-Moll), das nach Ende des Zweiten Weltkriegs sofort wieder gespielt wurde, existiert das Goldmarksche zwar in zahlreichen Einspielungen, auf den Konzertpodien ist es jedoch rar. Ich selbst habe es nur zweimal öffentlich in Israel gespielt, nicht in Europa. 2. Ein Stück, das die meisten anders spielen als Sie: Das 1853 entstandene Violinkonzert von Robert Schumann. Der Geiger Ferdinand David bezeichnete es als unspielbar, worauf es der Komponist an dessen Können adaptierte. Beethoven war da anders. Als sich der Geiger Ignaz Schuppanzigh wegen angeblich unspielbarer Geigenstellen in dessen Streichquartett beschwerte, meinte er: „Glaubt er, dass ich an seine elende Fiedel denke, wenn der Geist zu mir spricht.“ Ich halte es mit Beethoven. Ich versuche, den wirklichen Intentionen Schumanns zu folgen, und nicht denen, die ein möglicher Interpret bewirkt hat. 3. Ein Stück, das Sie nie wieder spielen wollen (aber früher spielen mussten): Da gibt es nichts. Ich habe immer nur Werke gespielt, zu denen ich einen Zugang fand. 4. Das letzte Musikerlebnis, das Sie als Interpret umgehauen hat: Im Vorjahr das Sibelius-Violinkonzert mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Nach zweijähriger coronabedingter Pause, in der das musikalische Leben praktisch ausgelöscht war, man einsam vor sich hin übte und sich überall Verzweiflung breit gemacht hat, erhebt sich wieder wie aus dem Nichts über dem wunderbaren Klangteppich des Orchesters als Hoffnungsstrahl die glasklare, schlichte Geigenmelodie. Ein unglaubliches, befreiendes Gefühl.

5. Stücke, deren Erfolg Sie nie verstanden haben: Dies betrifft beim Publikum oft mit Wohlwollen aufgenommene Werke der letzteren Zeit, die aber auf ausgetretenen Pfaden herumwandern und nichts Neues bringen. Solche Stücke erinnern mich an eine herrliche Anekdote von Jörg Demus: Ein Komponist wurde von einem mäßig begabten Schüler befragt, wie man am besten komponiere. „Man nehme Takte vom Beginn, der Mitte und vom Schluss eines unbekannten Werkes und verbinde sie nach den Regeln des Tonsatzes gefällig miteinander.“

















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