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  • Dr. Jan Kampmeier, Klavier.de

Beschwingt und beherzt

"Saint-Saëns begann dieses Quartett mit 16 Jahren, erst vor gut 30 Jahren wurde es entdeckt und 1992 veröffentlicht. Dementsprechend handelt es sich um ein weitgehend unbekanntes Werk, selbst innerhalb des Kammermusikschaffens von Saint-Saëns, das ja ohnehin nicht sonderlich bekannt geworden ist. Das Werk beginnt ausgesprochen lyrisch und ist durchweg sehr transparent gehalten. Natürlich hat man es hier noch mit einem Jugendwerk und nicht mit einem reifen Meisterwerk zu tun, und dem entspricht auch der Höreindruck. Aber immerhin ist es doch ein sehr hübsches und abwechslungsreiches Jugendwerk, und in dieser neuen beschwingt-leichten und technisch virtuosen Interpretation des Malevich Ensembles sprüht besonders das Finale Funken.

Auch das zweite Werk der neuen Platte, das Klavierquartett E-Dur op. 20 von Sergej Tanejew, ist ziemlich unbekannt. Während Saint-Saëns’ Quartett gerade einmal 20 Minuten dauert, handelt es sich hier um ein großes Werk von fast doppelter Länge. Auch im Ausdruck ist das kurz nach 1900 entstandene Werk ganz anders, es gibt sich nämlich durchaus monumental: Als wolle Tanejew „eine große romantische Symphonie in den Rahmen eines Vier-Personen-Ensembles hineinpressen“, wie der Pianist Georgy Voylochnikov es im Beiheft formuliert. Besonders der leidenschaftliche zweite Satz ist in diesem Werk ganz hinreißend, und dessen Thema taucht, in einem magischen Moment, im Finale wieder auf, bringt dort Ruhe und Erlösung in einen bis dahin äußerst aufgewühlten, durch Fuge und Kontrapunkt beherrschten Satz.


Wo die Musiker des Malevich Ensembles mit dolce, piano und transparentem Spiel vollauf überzeugen, scheint ihnen der monumentale Zug zunächst etwas aus dem Blick geraten. Das Klavier beginnt im ersten Satz alleine, und der erste Einsatz der Streicher müsste eigentlich mit voller Wucht im Fortissimo erfolgen, klingt hier aber zu brav. Wieder ist es das Finale, das dank des beherzten Zugriffs in der neuen Interpretation besonders überzeugt. Dazu ist das Tempo gut gewählt: Schon flott, aber doch noch so, dass die Musiker alles sauber ausspielen können.

Das Beiheft enthält einen ebenso gut lesbaren wie informativen Einführungstext über die beiden Werke und ihre Komponisten, der von den Musikern selbst geschrieben wurde."






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