Gärten im Regen
- Kölnische Rundschau
- 17. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Carmen Stefanescu spielt Klavierwerke zum Thema Wasser von Claude Debussy bis Andreas J. Winkler und Mel Bonis
"Das Element Wasser ist nicht nur in der Malerei ein strenger Lehrmeister. Auch in der Musik braucht es eine Menge Erfahrung und Zeit, bis die Moldau fließt, der fliegende Holländer über die Wellen braust oder die Tonfarben für den Nieselregen in melancholische Stimmung versetzen. Die Pianistin Carmen Stefanescu wiederum interpretiert Klaviermusik zum Wasser, perlend brillant, tiefgründig und mitreißend.
Sie setzt auf ihrer neuen CD „Shapes of Water“ (Prospero, Musik und Wasser) bei Claude Debussy (1862 – 1918) an, lässt Gärten im Regen (Jadins sous la pluie) so prall erklingen, als ob es aus den Tasten tröpfelt. Virtuos ist das, aber zugleich berührend, ihr Spiel ist so inniglich, dass es ans Herz geht.
Stefanescu hat eine außergewöhnliche Biografie, die schon fast an den Romanhelden Hannes in
„Für Polina“ von Takis Würger erinnert. Ein Pianist, der über Umwege auf das ihm gebührende Podium gelangt. Ungewöhnlich ist auch der Weg der in Bukarest geborenen und in den Westen geflüchteten Carmen Stefanescu. Als hochbegabte Teenagerin schmiss Stefanescu ihr Studium an der Aachener Zweigstelle der Musikhochschule Köln, tourte mit einer Raggae-Gruppe und wollte dem engen Korsett der Klassik für immer absagen. Bis sie im Radio Chopin hörte und wieder übte.
Vor drei Jahren erschien ihre Debüt-CD „Kaleidoscope of life“ (Genuit Musik) mit dem 2. Klavierkonzert von Chopin.
Nun das Wasser:
Andreas J. Winkler (Jahrgang 1974) legt seine zweite Regenprelude soan, dass sie auch Dissonanzen aushält, wie es bei Nieselwetter so ist, wenn die Stimmung eintrübt.
„Il pleut!“ heißt das Stück der französischen Komponistin Mel Bonis (1858 – 1937). Und dem Ausrufezeichen hat man gar nichts hinzuzufügen. Bonis war eine beherzte Landschaftsmalerin, deren originelle Tonsprache zwischenzeitlich leider etwas in Vergessenheit geriet.
Gefördert von César Franck hatte sie als Frau trotzdem mit vielen Vorbehalten, zuweilen mit einem „Meer von Unverständnis“ zu kämpfen.
Gut, dass ihre Musik wieder zum Leben erweckt wird. „Spuren im Schnee“ („Des pas sur la neige“) hinterlassen Claude Debussy und sein Landsmann Gabriel Fauré (1845 – 1924) , dessen Barcarole No 1. in a-Moll die traditionelle Musik venezianischer Gondolieres
verarbeitet. Glamourös schimmert „Der Wassermann“ von Alexander von Zemlinksy (1871 – 1942) Majestätisch, untergründig, märchenhaft schön, wie auch andere Fundstücke, die bei der Pianistin gestrandet sind."
Jan Sting












Kommentare