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  • Kulturabdruck

Die Staubstruktur der Nachtfalter

"Die in Berlin geborene Pianistin Adriana von Franqué hat sich für ihre erste CD ein besonderes Programm ausgesucht. Mit Werken von Lili Boulanger, Simon Laks, Maurice Ravel, Claude Debussy und César Franck macht sie sich auf eine musikalische Reise durch das filigrane Paris.

Den Begleittext zu ihrer Debüt-CD hat Adriana von Franqué selbst geschrieben. Kein großes Risiko, denn auch als Autorin versteht sie ihr Publikum bestens zu unterhalten. Langatmige Umwege sind ihre Sache nicht, und so stellt die Pianistin gleich zu Beginn vier Bedeutungsebenen für das titelgebende Wort „Filigrane“ vor. Das französische Substantiv bezeichnet ein Wasserzeichen, es kann aber auch eine besonders gediegene Goldschmiedearbeit gemeint sein. Das deutsche Adjektiv wäre mit dem Wort feingliedrig verwandt und das französische „lire en filigrane“ beschreibt den Versuch, „zwischen den Zeilen zu lesen“.

Auf ihrem Spaziergang durch Paris, der vom Musée d´ Orsay über die frühere Wohnung des Komponisten Simon Laks und den Jardin de Tuileries bis zu César Francks Hauskirche, der Basilique Sainte-Clotilde, führt, begegnet ihr das Filigrane in all den genannten und vielleicht noch mehr Gestalten. Vor allem aber sind die von der jungen Pianistin ausgewählten Stücke von einem gemeinsamen Fluidum geprägt, das sie als „schwebendes Klangideal, sphärische Klarheit und feingliedrige Polyphonie“ beschreibt.


Das Strukturierte im Kleinsten, das Detailverliebte und Hauchzarte, das immer Gleiche und stets neu Erscheinende, kurz: das Filigrane prägt vielleicht kein anderes Stück so nachhaltig wie die „Noctuelles“ aus Maurice Ravels „Miroirs“, in denen auch der Hörer unschwer die Nachtfalter und das erkennen wird, was Adriana von Franqué „ihre schimmernde Staubstruktur“ nennt. Das Phänomen al solches kehrt immer zurück, doch seine konkrete Ausformung ist im nächsten Moment schon wieder verloren.

Der jungen Pianistin gelingt eine ebenso turbulente wie feinsinnige Interpretation, die in der Darbietung von Claude Debussys „Estampes“ eine schillernde Fortsetzung findet. César Francks Spätwerk „Prélude, Choral et Fugue“ bildet dann eine geheimnisvolle, tiefsinnige, höchst komplexe Variante zu den flirrenden Impressionisten, denen auch Lili Boulangers hinreißendes Klangbild „D´un vieux jardin“ zuzurechnen ist.

Für einen ganz eigenen Akzent sorgt von Franqués Darbietung der Ballade „Hommage à Chopin“, mit welcher der französisch-polnische Komponist Simon Laks 1949 eine Brücke in das vorangegangene Jahrhundert schlug, ohne sein eigenes zu verlassen. Ein faszinierendes Experiment, das sich nahtlos in das Konzept dieses bemerkenswerten Albums einfügt." Zur CD-Besprechung





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