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  • Kulturabdruck

"facettenreiche Hommage"

"Nicht nur die Betonung des Rhythmus ließ Strobel auf den Tango aufmerksam werden, sondern auch der Teil seiner Historie, den er mit einzelnen Instrumenten, etwa dem aus Afrika stammenden Marimbaphon, gemeinsam hat. Ebenso reizvoll mag der Umstand gewesen sein, dass die musikalische Dimension Tango nie auf starre Konventionen verweist, sondern immer bereit ist, dem Neuen, Unbekannten und Experimentellen eine Chance zu geben.

Der in Buenos Aires geborene und heute in Berlin lebende Komponist und Bandoneonspieler Omar Massa verfolgt ganz ähnliche Ideen. Er will die Klangsprache des Tango konsequent weiter entwickeln, „ohne dabei jedoch den ´typischen Buenos Aires Akzent´ zu verlieren“. Das ist eine Verbeugung vor der Tradition, die allerdings Freiheit, Grenzüberschreitungen und Phantasie braucht, um sich wirklich entfalten zu können.

Mit der Pianistin Katharina Treutler gelingt es Strobel und Massa, die Vergangenheit des Tango heraufzubeschwören, ohne in Nostalgie zu verfallen oder die bestechend moderne Tonsprache aufzugeben. Sie initiieren eine Spurensuche, die stets nach zeitgemäßen Lösungen sucht und dabei auch die Zukunft des Tango beschreibt, insofern als er sich immer wieder neu erfinden muss.

Omar Massas titelgebende „Neotango Episodes“ sind zweifellos ein Höhepunkt dieses Projekts – drei Stücke mit ganz unterschiedlichen Charakteren, die eine Fülle faszinierender Klangwirkungen entfalten. Wer auf dieser CD für solche Effekte verantwortlich ist, lässt sich nicht immer eindeutig entscheiden, denn mitunter verschwimmen Strobels Vibraphon, Marimbaphon, Bongos oder Felltrommeln, Massas Bandoneon und Treutlers Klavier zu einem Gesamteindruck. „Der Idealzustand ist erreicht, wenn da drei Künstler sind, aber man hört nicht genau, von wem kommt diese Klangfarbe eigentlich und was passiert da genau“, so Kai Strobel.

Neben zwei weiteren Massa-Kompositionen und zwei Arrangements von Piazolla-Stücken bilden Ferran Cruixents „Broken“ und „Mechanical Ballerina“ ein reizvolles Kontrastprogramm. Strobels Bearbeitung von drei Sätzen aus Darius Milhauds „Scaramouche“ verbreitet dann wieder südamerikanisches Flair – allerdings in einer nochmals anderen Konzentration. So folgt die facettenreiche Hommage einer klaren Idee und entzieht sich doch jeder abschließenden Einordnung."



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