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  • Reinmar Wagner

Helikopter und Distelfink

"Es zwitschert und trillert, dass es eine wahre Freude ist. Drei der fünf Concerti

des venezianischen Barockmeisters spielt Makhdoomi auf der kleinen Sopranino-

Blockflöte, zwei auf der grösseren Schwester, der Altblockflöte. Ein bisschen

hat er dabei auch geklaut, nur drei davon hat Vivaldi explizit seinem Instrument

zugedacht, zwei Konzerte entstanden für die Traversflöte:«Il Gardellino»,

der übermütig trillernde Distelfink, und «La Notte», die spukhafte Geisterstunde

in einem venezianischen Palazzo. Zwei Fähigkeiten zeichnen Makhdoomi dabei

besonders aus: Seine fingerflinke Virtuosität, die gerade auf dem kleinen Instrument

zu teilweise schier irrwitzig schnellen Skalen und Koloraturen führt, und

seine Variabilität. Der Maurice Steger-Schüler ist ein ausdrucksvoller Musiker,

der sich ständig reizvolle Freiheiten herausnimmt, der die melodischen Phrasen

nicht nur berührend singen kann, sondern auch das bei Vivaldi oft stabile

Gerüst der Begleitung als Trampolin nimmt für ganz eigene rhythmische Akzente

und Kontraste. Er zieht alle Register, gibt sich als kapriziöse Operndiva,

spielt den Barockrebellen, zeigt immer wieder mit Witz und Charisma, dass man

spielen darf mit dieser Musik, demonstriert mit seinen Barock-Kollegen, dass

man die Freiheiten von Jazz und Improvisation auch hier einbringen kann. Der

Virtuosität der Concerti setzt er lyrische Ruhepunkte zur Seite: Das Andante aus

dem «Winter» der «Quattro Stagioni» oder eine Vivaldi-Opernarie hat er sich

für seine innig klingende Altflöte arrangiert, in einer weiteren trifft er den jungen

französischen Countertenor Arnaud Gluck zum Gesangs-Duett."

Musik & Theater, Mai/2023






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