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"Mut und Humor"

  • Autorenbild: quintessenz
    quintessenz
  • 21. März
  • 1 Min. Lesezeit

Klaus Kalchschmid in Opern News, 02/2026


Bariton Lars Conrad und der Pianist Daniel Prinz zeigen Mut und Humor, wenn sie ihr Album schlicht „Männer“ nennen und sich dafür auf dem Cover wie ein Paket schnüren lassen mit dem Aufdruck „FRAGILE“. Im Untertitel heißt die Veröffentlichung „Zwischen Rausch und Verzweiflung“, und schon das op. 32 von Johannes Brahms zeigt ein differenziertes Männerbild, das Verletzbarkeit und Feinfühligkeit ebenso wie Melancholie zeigt, den Hader mit sich selbst und ein Leben zwischen Todessehnsucht und dem Wunsch, intensiv zu leben.


Das zeigen insbesondere die fünf Platen-Vertonungen innerhalb der neun Lieder op. 32 von Johannes Brahms, eines Dichters, der lebenslang unter seiner Homosexualität litt und dessen Gedichte von intensivem Liebesleid handeln. Die „Anakreontischen Fragmente“ Hanns Eislers, übersetzt von Eduard Mörike dagegen zeigen in ihrer kargen, herben Vertonung im Subtext den Mann in seiner Verunsicherung, der zugleich das althergebrachte Männerbild tradiert, das zur bloßen Hülle geworden ist. In den vier Liedern aus Zwölf Gedichte op. 35 von Robert Schumann definiert sich der Mann über seine Naturverbundenheit und die Anerkenntnis des eigenen Schmerzes. Bei dreimal Wolf ist es der Alkohol, der als Ritual und Schutzmechanismus den Männern dient. „In Frech und froh“ wird den Männern das Prügeln als Mittel der Auseinandersetzung zugestanden, auch das heute ein illegitimes Mittel. Männliche Hybris dann in der Schumann-Ballade „Belsatzar“, bevor zwei Encores von Schubert („Nachtviolen“ und „Ganymed“) das Album runden.


Der junge Lars Conrad findet den richtigen Weg zwischen Textausdeutung und Hingabe an die Musik. Fein sein Pianissimo in der Höhe, aber auch die Attacke liegt ihm. Und mit Daniel Prinz hat er einen selbstbewusst mitgestaltenden Pianisten an der Seite.



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