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Natalia Ehwald: Fünf Fragen - Fünf Antworten

  • FONO FORUM
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

1 Ein Stück, das Ihnen viel bedeutet, das aber viel zu wenig bekannt ist:

"Die Gesänge der Frühe", ein Spätwerk von Robert Schumann. Geniale Stücke, die nicht sehr oft im Konzertsaal zu hören sind. Seitdem ich sie spiele, weiß ich auch , warum: Man bekommt sie nicht so einfach in die Finger wie andere Werke Schumanns, sie zu spielen fühlt sich weniger natürlich an. Ich spüre eine Art von mysteriösem Widerstand.


2 Ein Stück, das alle/die meisten anders spielen als Sie:

Schwierig zu beantworten. Ich kenne natürlich nicht alle Aufnahmen der Stücke, die ich spiele, vor allem aber bin ich kein Musiker, der nach Originalität um ihrer selbst willen strebt, nach " der ganz besonderen Interpretation", die sich von anderen abhebt. Das Wichtigste, das mir mein Lehrer Evgeni Koroliov mitgegeben hat, ist: ehrlich und natürlich aus sich heraus zu musizieren und nicht durch Andersartigkeit überraschen zu wollen. Mir ist es auch als Zuhörerin unangenehm, wenn ich bemerke, dass etwas "gewollt" ist.


3 Ein Stück, das Sie nie wieder spielen wollen (aber früher spielen musste):

Während meiner Zeit an der Spezialschule für Musik in Weimar habe ich am Czerny-Wettbewerb in Prag teilgenommen. Pflichtstück war die Sonate op. 7 von Carl Czerny-- es war weder musikalische Liebe auf den ersten noch auf den zweiten oder dritten Blick. Die Noten habe ich auf der Rückfahrt im Zug vergessen (Freud lässt grüßen...). Vielleicht hat sie ja jemand gefunden und konnte von meinen Fingersätzen profitieren - die immerhin waren gut.


4 Das letzte Musikerlebnis, das Sie umgehauen hat (als Interpretin oder als Zuhörerin):

Schuberts Sonate D960 auf der Bühne zu spielen, haut mich tatsächlich jedes Mal um. Jede einzelne Note dieses Wwerkes ist vollendet; das spürt auch das Publikum, und ich selbst kann all die widrigen Dinge des Konzertierens vergessen. Als Zuhörerin war es der Moment, als ich nach einiger Zeit mlk wieder die CD "Nachtviolen" mit Christian Gerhaher und Gerold Huber hörte. Gleich das erste Lied: Schuberts " An den Mond in einer Herbstnacht" - so unglaublich einfache, berührende, perfekte Musik, von den beiden Musikern so genial musiziert, dass mir beim Hören jedes Mal die Tränen kommen. Wenn ich vor einem Konzert nach Reise, Flügel-Anspielen, Gesprächen mit Veranstaltern etc. manchmal schwer in die Konzentration und Inspiration finde, dann höre ich dieses Lied. Es ist für mich der ganze Schubert darin. Ein Freund, der diese Aufnahme genauso liebt wie ich, schenkt sie mir jedes Jahr seit Erscheinen zum Geburtstag, und er bekommtr sie ebenso von mir zu jedem Geburtatag überreicht.


5 Ein Stück, das Sie nie verstanden haben:

Schuberts "Wandererfantasie". Das liegt ganz sicher an mir und nicht am Stück. Vielleicht beziehungsweise hoffentlich bin ich irgendwann weise genu, es zu verstehen.


FONO FORUM, 09/2025

ree

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