top of page
  • Ekkehard Pluta, Klassik heute

"respektable Talentprobe"

"Der junge litauische Bariton Tomas Kildišius und die armenische Pianistin Ani-Ter Martyrosian, die als Duo erst vor wenigen Monaten den Wettbewerb „Young Artists Platform“ des internationalen Lied Festivals Zeist gewannen, haben für ihre erste gemeinsame CD die 15 Romanzen aus Ludwig Tiecks Magelone op. 33 von Johannes Brahms gewählt und damit eine respektable Talentprobe abgeliefert, ohne dabei eine Repertoirelücke zu füllen. (...)

Für einen jungen Sänger liegt der Schwierigkeitsgrad bei diesen Romanzen vor allem darin, dass sie eher erzählerisch angelegt sind und wenig Möglichkeit unmittelbarer Identifikation bieten. Da innerhalb der „Gesänge“, wie sie Tieck selbst nannte, das lyrische Ich häufig wechselt, ist hier eine gewisse Distanz im Vortrag verlangt, die eine fortgeschrittene künstlerische Reife voraussetzt.

    

Brahms hatte diesen 1861 begonnenen, aber erst 8 Jahre später vollendeten Zyklus dem Bariton Julius von Stockhausen gewidmet, mit dem er bei Aufführungen von Beethovens An die ferne Geliebte, Schuberts Die schöne Müllerin und Schumanns Dichterliebe schon erfolgreich gemeinsam aufgetreten war. Bei der Premiere war das Echo auf Die schöne Magelone beim Publikum noch geteilt, was der Sänger auf das Fehlen eines dramaturgischen Zusammenhangs zurückführte. Er schlug Brahms vor, den Liedern „wenige einleitende Worte vorauszuschicken: „Ich glaube, die Compositionen werden durch die Worte verständlicher.“

    

Stockhausens Vorschlag machte Schule. In heutigen Aufführungen werden die 15 Romanzen sogar oft in den Vortrag der gesamten Erzählung eingebettet. Für die vorliegende Aufnahme hat die Schauspielerin Jannike Liebwerth eine gekürzte, aber den Sinnzusammenhang voll bewahrende Textfassung erstellt und damit auch die Voraussetzung geschaffen, dass das gesamte Werk auf einer CD Platz findet. Ihr Vortrag ist diskret, aber keineswegs unbeteiligt und schafft der Musik einen tragfähigen Rahmen. Tomas Kildišius zeigt bei dieser Gelegenheit einen hellen, schlanken, noch entwicklungsfähigen Bariton, seine Bemühungen um saubere Diktion sind anzuerkennen, aber es fehlt noch am entschiedenen Zugriff in der Gestaltung. Ani-Ter Martyrosians Begleitung ist imaginativ und sehr flexibel bei den Tempowechseln. Das Booklet enthält nicht nur die Liedtexte, sondern auch komplett die wiedergegebene Prosa-Erzählung."





Comments


bottom of page