• Wilfried Schäper, Radio Bremen 2-Klassikwelt

"schlicht und einfach eine grandiose und authentische Musikerin mit allerfeinster Anschlagskunst"

"Die in Tunesien geborene Pianistin ist bei uns noch ein Geheimtipp, obwohl sie schon sehr lange „im Geschäft“ ist. Sie hat 10 Jahre als Korrepetitorin an der Brüsseler Oper gearbeitet, ist eine leidenschaftliche Kammermusikerin und charismatische Solistin. Immer wieder überrascht Mamou mit originellen und intelligenten Programmen. Ihre neue CD kreist um die Stadt Wien, genauer gesagt um Klavier-Variationen von Beethoven, Haydn, Czerny, Hummel, Schubert und Mozart. Beethoven hat ja nicht nur die berühmten „Diabelli-Variationen“ geschrieben. In jungen Jahren hat er eine ganze Reihe von kürzeren Variationen komponiert, oft über bekannte und beliebte Themen der Zeit. Zum Beispiel die Variationen über „Nel Cor Più non mi sento“ aus einer Oper von Giovanni Paisiello. (...)

Roberte Mamou ist eine Musikerin, die wirklich jeden einzelnen Ton ernst nimmt und gestaltet. Sie ist keine Pianistin, die virtuosen Tand nötig hat - schlicht und einfach eine grandiose und authentische Musikerin mit allerfeinster Anschlagskunst am Klavier. Dazu eine echte „Sängerin“ an den Tasten mit vielen Klangfarben. Wenn es musikalisch angemessen ist, kann ihr Spiel aber auch funkeln und glitzern wie in den sogenannten „Ricordanza-Variationen“ von Carl Czerny. Der war Schüler von Beethoven und gilt heute immer noch als gefürchteter und zweitklassiger Etüden-Komponist. Dabei hat Czerny viele geistreiche und originelle Klavierstücke geschrieben. Selbst der große Vladimir Horowitz hatte seine „Ricordanza-Variationen“ im Repertoire. Roberte Mamou spielt das Stück mit eleganter Fingertechnik und einer erzählerischen Grundhaltung. Czernys Variationen sind knifflig und erfordern eine absolute Beherrschung des Klaviers. Die hat Roberte Mamou, genauso wie ein untrügliches Stilgefühl. So gespielt, ist auch Carl Czerny ein ganz großer Klavierkomponist! (...)


Auch als Komponist war Hummel damals in Wien sehr erfolgreich. Heute sind seine Stück fast vergessen und nur echten Klavierfreaks ein Begriff. Wie seine Kollegen Beethoven und Czerny hat auch Hummel einige Variationen über bekannte Opernmelodien geschrieben. So zum Beispiel 1812 die Variationen op. 57 über ein Thema aus Glucks „Armide“. Ein typisches Stück der Zeit - virtuos, elegant und am Schluss schon mit einer Vorahnung auf Franz Schubert. (...)


Eine tolle Klavier-Platte abseits vom Mainstream mit einer wirklich wunderbaren Musikerin..."