• Uwe Krusch, pizzicato

Thomas Albertus Irnberger mit russischen Geigenstimmen

"Thomas Albertus Irnberger kombiniert das Violinkonzert mit der Kammermusik für die Geige von Igor Stravinsky und fügt noch eine knapp viertelstündige Fantasie von Rimsky-Korsakov an. Dieses Werk über zwei russische Volksliedthemen deutet in Richtung der russischen nationalistischen Schule. Die Texte vermitteln den Eindruck vom Charakter, die Fantasie des Zuhörers übernimmt den Rest. Nicht rein zufällig sind Ähnlichkeiten zur Scheherazade. Und auch die Virtuosität nicht.

Bei der Auswahl der Werke von Stravinsky beschränken sich Irnberger und Pianist Kaspar auf die originär für diese Besetzung entstandenen Werke. Das Divertimento etwa, vom Komponisten selber aus ‘Der Kuss der Fee‘ zusammengestellt, wird nicht berücksichtigt.

Mit partiell neuen Partnern widmet sich Thomas Albertus Irnberger diesen Werken russischer Seele nicht nur mit überzeugender technischer Umsetzung, sondern auch mit dem russischen Geist der Musik, der klischeehaft gerne als von tiefster Emotion und unendlicher Weite des Landes erzählend gedeutet wird. Dass gerade diese Komponisten das trotz der Anlehnung an die Volksmusik nicht so umgesetzt haben, machen Irnberger und seine Begleiter mit ebenso feiner wie akzentuierter Hand deutlich. Natürlich ist eine Suite Italienne schon vom Titel und dann eben auch von der enthaltenen Musik her auch der russischen Weite entkommen und dementsprechend mit Sonne im Spiel darzustellen.

Über die außerordentlichen musikalischen Qualitäten von Irnberger wurde hier wiederholt berichtet. Auch in dem zugleich geigerisch wie spröde gesetzten Konzert von Stravinsky trifft er mit Leichtigkeit passgenau den Charakter. In der Fantasie kann er dann eher musikalisch schwelgen, ohne zu überreizen. Überhaupt ist ihm zu danken, dass er dieses kaum bekannte Werk hervorgeholt hat.

Pavel Kaspar an seiner Seite am Klavier trat erstmals bei tschechischen Trios, zusammen mit David Geringas, in Erscheinung. Auch im Duo bei Stravinskys Kammermusik ist er als ebenso ausdrucksstarker solistisch hervortretender Musiker wie auch als sensibel agierender Begleiter seines Partners zu vernehmen.

Mit Doron Solomon als Dirigent hat sich Irnberger erneut der aktiv gestaltenden Mitwirkung eines vertrauten Partners versichert, der hier das ORF-Radiosymphonieorchester Wien leitet. Wie alle Orchester, die nach einer Rundfunkanstalt benannt sind, agiert das Ensemble ebenso mit Selbstvertrauen ob seines weitgefassten Auftrags wie auch mit ausgezeichneter musikalischer Ausdrucksfähigkeit, so dass es bei Stravinsky den über große Strecken die Sologeige begleitenden Part trotzdem nicht zum Ersticken auslebt und bei Rimsky-Korsakov die schon eher märchenhaft anmutende Stimmung mit farbigem Spiel zu illustrieren."

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