• Uwe Krusch, pizzicato

"Eine rundum gelungene Einspielung"

"Die junge Schweizer Geigerin Anna Schultsz hat sich für ihr Album auf französisch geprägte Werke festgelegt. Am Piano hat sie mit dem erfahrenen Kollegen Gérard Wyss einen Begleiter gefunden, der an Sicherheit und Erfahrung, aber auch an Neugier und Unterstützung die notwendigen Voraussetzungen mitbringt, um so ein Unterfangen auf ein gutes Gleis zu lenken.

Schultsz, die schon in frühester Kindheit vom Geigenspiel fasziniert war, hat mindestens schon in ihrer Heimat einen Platz eingenommen und stellt sich nun auch einem größeren Publikum vor. Dass sie ihr Handwerk versteht, mag nicht überraschen. Aber darüber hinaus weiß sie mit einer bereits ausgeprägten musikalischen Gestaltung zu beeindrucken. In der die CD abschließenden Sonate von Ysaÿe beispielsweise scheut sie das jugendlich intensive und auch durchaus artistisch betonte Spiel nicht, aber das ist es nicht allein: Über weite Strecken entwickelt sie die in der Musik verpackten Gedanken zu einer beredten musikalischen Darstellung.

So lässt sie auch die Tzigane von Maurice Ravel sich erst musikalisch entfalten, bevor sie auch die virtuose Seite löst. Dabei legt sie für ihr Spiel eine neu edierte Fassung zugrunde, die auf Basis mehrerer Versionen, u. a. der erst kürzlich im Palais de Monaco entdeckten, entstand. Die Sonaten von Franck und die erste von Fauré erfahren bei ihr durch und durch strukturierte Interpretationen, die aber auch die spontan wirkenden Komponenten nicht außen vor lassen. Mag man auch vereinzelt in lauten und intensiven Passagen eine noch stringente Formung des Bogenstrichs vorziehen, so ist doch diese Darstellung eine nicht nur in sich schlüssige, sondern vielen weniger markanten vorzuziehen. Dabei gelingt es ihr auch, die je nach belgischem oder französischem Ursprung unterschiedlichen Farbwerte und Ausprägungen der Temperamente heraus zu kitzeln.

Wie schon erwähnt, stützt und belebt Gérard Wyss mit seiner ausgefuchsten Behandlung des Klavierparts die Interpretationen und gibt ihnen mit seinem Tastendruck die ergänzenden Farben und Impulse für die Geige, die wiederum auch ihm zugespielt werden. Eine rundum gelungene Einspielung, die Erwartungen für die Zukunft weckt."

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