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"die Albumsmischung mundet ganz vorzüglich!"

  • Autorenbild: quintessenz
    quintessenz
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

"Ohne irgendwie nichtssagenden Titel geht ja offenbar kein Klassik-Album mehr. Umso erfreulicher ist es, wenn die künstlerische Substanz des diesfalls dänischen Telemann-Abenteuers mehr als ansprechend ausfällt. Sieben Mitglieder des Concerto Copenhagen haben sich gemeinsam mit der Blockflötistin Clara Guldberg Ravn auf den überraschend gewundenen Weg gemacht, um vier in Tempo und Stimmung abwechslungsreichen Instrumentalwerken von Georg Philipp Telemann tänzerisch in Schwung, bisweilen melancholisch durchhaucht, sinnenfrohen Klang zuteilwerden zu lassen.

Die als „Ouvertüre“ bezeichnete Orchestersuite in a-Moll TWV 55:A2, bestehend aus einer als (zweiteiligen) Ouvertüre überschriebenen Einleitung und sechs weiteren Sätzen (Les Plaisir, L’air á l’Italien, Menuet I & II, Rejouissance, Passepied I & II und Polonaise) zeigt schon der Sprache nach, welchen Einflüssen Telemann hier gefolgt sein mag. 140 (!) solcher Ouvertüren sind erhalten, diejenige in a-Moll stellt ca. 30 Minuten auf die Waage, die zweite auf dem Album fluffig bekömmliche Ouvertüre in Es-Dur, TWV 55:ES2 mit ihren sieben Sätzen bringt es immerhin noch auf ca. 20 Minuten.

Der Polystilist Telemann, ein Pfundskerl an kompositorischer Eingebung und durchführender Meisterschaft, vermochte es, unterhaltend zu brillieren, Humor und Anflüge von Dramatik bis leichtem Gewitterbeben unter einen blütengesäumten Hut zu bringen. Dann und wann lässt er die Blockflöte ihr sentimentales Lied seufzen oder verführerisch gurren, wie Tauben das so tun. Meistens aber folgt er instrumentalen Sonnen, die am wolkenziehenden Himmel ihre hitzigen Bahnen absolvieren. Dann darf die Flöte sich in rasanten Koloraturen oder launischen Schnörkeln ergehen, dass manche Nachtigall oder Amsel Lust haben mag, ihre Virtuosität daran zu messen.

Die dänische Blockflötensolistin Clara Guldberg Ravn, ehemals Solistin beim Bremer Barockorchester, künstlerische Leiterin des KLARIfestivals und in Musiktheatersachen für Kinder und Jugendliche aktiv, hat merklich Freude an der so improvisatorisch wirkenden Gestik und fantastischen Fülle in unterschiedlichen Stimmungen dieser funkensprühend bis sinnierend wehmütigen Telemann-Ergüsse. Das zieht mit, ob man will oder nicht.

Die Einspielungen der beiden viersätzigen Konzerte für Blockflöte, Streicher und basso continuo in F-Dur und in C-Dur zeichnen sich durch Sorgfalt, audiophile Klangqualität, einander „Erhören“ und einem lustvoll experimentierenden Gegenüber von Soloinstrument und Instrumentalensemble aus. Probieren Sie davon, die Albumsmischung mundet ganz vorzüglich!"

Dr. Ingobert Waltenberger




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