Fragen an Thomas Albertus Irnberger
- quintessenz

- vor 2 Tagen
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von Anna Maria Ruscello
Ihre neue SACD „Johannes Brahms – Robert Schumann – Sonaten für Viola und Klavier und Märchenbilder“ ist bereits die 75. Veröffentlichung, - kaum vorstellbar bei einem jungen Geiger, wie Sie es sind. Geiger? Geht Ihnen das Repertoire für Geige aus? Fehlen da nicht noch wichtige Aufnahmen, zum Beispiel Bach? Was fehlt noch?
Die Solowerke von Johann Sebastian Bach habe ich mit 19 Jahren aufgenommen, Ivry Gitlis und Jörg Demus, die sie damals hörten, drängten mich dazu, die CD zu veröffentlichen. Kurze Zeit später begann ich mit dem SACD-Format zu experimentieren, das die Räumlichkeit, die Solowerke brauchen, noch mehr abbildet. Bach neu aufzunehmen wurde dann immer wieder verschoben, obwohl ich die Solosonaten und die Violinkonzerte vielfach öffentlich gespielt habe. Aber nächstes Jahr wird es soweit sein. Bereits aufgenommen und in der Pipeline sind das berühmte Bruchkonzert, das Konzert für Violine, Klavier und Streichorchester von Chausson und sein Konzertstück Poem. In Israel wären im März 2026 das Glasunow- das Chatschaturian- und das Tschaikowski- Violinkonzert geplant gewesen. Der Krieg hat es derzeit unmöglich gemacht.
Das Repertoire für die Geige ist unendlich. Bartok, Schostakowitsch und Wieniawski stehen zeitnah auf der Wunschliste.
Wie lange schon sind Sie, der Öffentlichkeit vorenthalten, auch ein Bratscher?
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder öffentlich Bratschenkonzerte, vorrangig in der Adventzeit, gespielt, besonders gerne Telemann und Hoffmeister.
Wie können wir uns den Wechsel zwischen Geige und Bratsche vorstellen, um auf diesem allerhöchsten Niveau beide Instrumente zu beherrschen? Legen Sie die Geige dann für eine Weile weg? Und wie ist das technisch zu üben?
Der Wechsel von der Geige auf die Bratsche und umgekehrt bereitet mir überhaupt keine Schwierigkeiten. Es ist eine Kopfsache, lediglich ein Umdenken vom G- Schlüssel zum C-Schlüssel. Zugute kommen mir auch meine Körpergröße von 1,92 m und meine langen Finger, die sich auf der Bratsche genauso virtuos wie auf der Geige bewegen.
Wäre es für Sie theoretisch denkbar, in einem Konzert sowohl Violine als auch Viola zu spielen?
Vielleicht mit der Pause dazwischen? Ich habe in der Vergangenheit, wie gesagt um Weihnachten herum immer beide Instrumente in einem Konzert gespielt, im ersten Teil Telemann auf der Bratsche, im zweiten Teil die Vivaldi- Jahreszeiten auf der Geige, oder Hoffmeister im ersten Teil auf der Bratsche und nach der Pause ein Violinkonzert von Haydn oder Mozart.
Wollen Sie jetzt womöglich ganz bei der Bratsche bleiben und werden wir Sie bald als Bratscher im Konzert erleben? Oder war das ein einmaliger Ausflug? Planen Sie weiteres Viola-Repertoire?
Ich werde weiterhin Geige und Bratsche spielen. Die Brahms Violasonaten sind nicht der erste Ausflug in das Viola-Repertoire auf SACD. Mit Lilya Zilberstein und David Geringas habe ich die Brahms Klaviertrios mit seinem Klarinetten-Trio in der Viola-Fassung aufgenommen. Die Aufnahme war so erfolgreich, dass sich mein Produzent von Gramola, Herr Winter, die Violasonaten gewünscht hat.
Auf der Viola möchte ich Hoffmeister, Telemann und Stamitz aufnehmen, und ein Wunschtraum ist auch die Viola- Rhapsodie von Martinu.
Hat eine Viola einen anderen klanglichen Charakter für Sie? Wie empfinden Sie den Unterschied Ihrer beiden Instrumente?
Die Violine klingt silbrig, hell, strahlend, während die Viola dunkel, voll, der menschlichen Stimme ähnlich ertönt.
Und würden Sie uns zum Schluss verraten, auf welcher Bratsche Sie dieses Album eingespielt haben? Sind die berühmten Geigenbauer auch die prominentesten Bratschen-Bauer?
Zumeist sind die herausragenden Geigenbauer auch ebenso wunderbare Bratschenbauer, denken wir nur an Jacobus Stainer, Andrea Amati, Antonio Stradivari usw. Meine Bratsche ist ein Werk des Cremoneser Meisters Lorenzo Storioni (1744 – 1816).
Vielen Dank für das Gespräch!





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