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Clara Guldberg Ravn im Interview über „You Made Me Laugh“

  • Autorenbild: quintessenz
    quintessenz
  • 16. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Ein Beitrag von Beatrice Ballin

Erschienen im Orchestergraben


Barocker Mainstream – der ist auf dem gerade erschienenen Album der dänischen Flötistin Clara Guldberg Ravn nicht zu finden. Hier werden auch selten gehörte Kompositionen von Georg Philipp Telemann mit dem ungewöhnlichen Titel „You made me laugh“ präsentiert. Was steckt dahinter, das wollte Beatrice Ballin von der Künstlerin wissen.


Ein persönlicher Zugang: Wie „You Made Me Laugh“ entstand

„You made me laugh“ – das ist ein CD-Titel, der neugierig macht. Was hat Sie dazu veranlasst, diesen Titel zu wählen?


Ein sehr lieber Freund von mir hat das Foto von mir für das Cover gemacht. Er ist ein wunderbarer Mensch, der mich so oft zum Lachen gebracht hat – sogar während des Fotoshootings. Damit war klar, dass ich die CD „You Made Me Laugh“ nennen würde, denn genau das hat er getan. Ich finde es toll, wenn klassische Alben Titel haben, die über den bloßen Inhalt der darauf gespielten Musik hinausgehen. Auch meinen früheren Alben habe ich Titel gegeben, die irgendwie mit der Musik oder dem Entstehungsprozess in Verbindung stehen. 


Telemann neu gehört: Stilvielfalt und unterschätzte Tiefe

Georg Philipp Telemann nimmt in der öffentlichen Wahrnehmung nicht den Stellenwert seiner Zeitgenossen Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach ein. Doch wird er zu Unrecht unterschätzt. Was zeichnet sein musikalisches Schaffen aus?


Telemann hat mehr Musik komponiert als Bach und Händel zusammen. Er beherrschte die wichtigsten Stile seiner Zeit – den deutschen, französischen und italienischen – meisterhaft und komponierte in allen mit Leichtigkeit und Gewandtheit. Zudem ließ er sich auch von polnischer und englischer Musik beeinflussen. Telemanns Musik bietet eine wunderbare Verbindung von Witz, Virtuosität und Dramatik. Oberflächlich betrachtet wirkt sie leicht und heiter, doch darunter schwingt stets seine Traurigkeit und seine Ernsthaftigkeit mit. 


Repertoire zwischen Bekanntem und Entdeckungen

Telemann hat viele Kompositionen für Flöte geschrieben. Fiel es Ihnen schwer, eine Auswahl für Ihre CD zu treffen?


Telemann schrieb zahlreiche Kompositionen für die Blockflöte in verschiedenen Besetzungen, jedoch nur zwei Konzerte für Blockflöte und Orchester; daher durften diese auf dieser CD nicht fehlen. Seine Ouvertüre in a-Moll ist ebenfalls ein bekanntes Stück, das ich interpretieren wollte. Die letzte Ouvertüre in Es-Dur wurde nur wenige Male aufgenommen und selten aufgeführt. Sie ist für eine Pastorelle geschrieben, womit höchstwahrscheinlich eine Blockflöte gemeint ist, da diese oft verwendet wurde, um pastorale Assoziationen entstehen zulassen. Es ist in jeder Hinsicht ein leichteres und weniger substanzielles Stück, das aber in seiner Leichtigkeit bezaubernd ist. Ich finde es wichtig und bereichernd, Kompositionen aufzunehmen, die noch nicht oft eingespielt wurden. Das habe ich zum Beispiel auch vor einigen Jahren getan, als ich als Erste die kompletten Sonaten des dänischen Komponisten Martinus Ræhs aus der Mitte des 18. Jahrhunderts einspielte.


Für Ihre CD haben Sie zwei Ouvertüren und zwei Konzerte ausgewählt. In Ihrem interessanten Booklet schreiben Sie, dass das F-Dur Konzert eines Ihrer Lieblingskonzerte ist. Was macht dieses Werk so besonders für Sie?


Es gibt Stücke, in die man sich auf Anhieb verliebt. Dieses Konzert war eines davon. Ich habe es als Teenager zum ersten Mal gehört, und seither hat es mich begleitet und nicht mehr losgelassen. Besonders der zweite Satz ist einfach großartig.


Es war Telemanns Bestreben, allen Menschen seine Musik zugänglich zu machen und jedem die Möglichkeit zu geben, selbst Musik zu machen. Wie hat er das erreicht?


Telemann war ein äußerst produktiver Komponist, der sowohl für Profis als auch für Amateure ein umfangreiches Werk schuf. Es lag ihm am Herzen, jedem die Möglichkeit zu geben, Musik zu machen und zu hören. Er gründete 1728 die zweiwöchentlich erscheinende Musikzeitschrift „Der getreue Musikmeister“. Sie enthielt neue Kompositionen, die auf diese ungewöhnliche Weise erstmals veröffentlicht wurden. Ein Großteil stammte von Telemann selbst, aber auch andere zeitgenössische Komponisten waren vertreten. Auf diese Weise wurden Arien, Fugen, Kanons und Sonaten schnell zum beliebten Allgemeingut der wohlhabenden Hamburger Bürger. Musikliebhaber warteten gespannt auf die nächste Ausgabe, um ihre Lieblingssonate zu vervollständigen. Darüber hinaus komponierte Telemann auch methodische Sonaten, in denen er die von ihm vorgeschlagenen Verzierungen für alle langsamen Sätze notierte. Ein weiterer Beweis für Telemanns Interesse, allen Menschen Musik zugänglich zu machen, sind seine Bemühungen, hochwertige Werke für die Kirche zu schaffen – ein Unterfangen, das er selbst als wesentlich erachtete. Menschen, die sich weder Opern- noch Konzertbesuche leisten noch ein Instrument lernen oder Noten kaufen konnten, hatten die Möglichkeit, jeden Sonntag und an jedem kirchlichen Feiertag Musik zu hören.


Der Weg zur Blockflöte

In welchem Alter haben Sie mit dem Blockflötenspiel begonnen? Und wann haben Sie erkannt, dass die Blockflöte „Ihr“ Instrument ist und Sie Musikerin werden wollen?


Als ich ein Kind war, hatte meine Mutter eine Schallplatte von Michala Petri, und ich erinnere mich, dass ich sie mir anhörte und dachte: Das will ich auch können. Ich glaube, meine Mutter fragte mich ein- oder zweimal, ob ich nicht lieber Klavier spielen wollte, aber ich war fest entschlossen, Blockflöte zu spielen. Mit sechs Jahren begann ich in der örtlichen Musikschule mit dem Unterricht. Mit etwa dreizehn Jahren gefiel es mir so gut, dass ich beschloss, Musikerin zu werden. Ich hielt an dieser Idee fest, und obwohl ich in meiner Jugend kleinere Umwege machte – obwohl man den Plan an der Universität englische Literatur zu studieren, kaum als Umweg bezeichnen kann –, spielte ich immer weiter und kehrte immer wieder zu dem Wunsch zurück, professionelle Musikerin zu werden, worüber ich heute sehr glücklich bin. Es gibt so viele schöne Instrumente und Klänge auf der Welt, doch ich liebe den Klang der Blockflöte. Das ist definitiv mein Klang. Das und hoffentlich das Lachen.


Clara Guldberg Ravn, vielen Dank für dieses Interview!




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